
"Keiner steht über dem Gesetz"
n-tv
Ex-Prinz Andrew wird kurzfristig festgenommen und wieder freigelassen, aber das ist hoffentlich nur der Anfang. König Charles III. betont, "das Gesetz müsse seinen Lauf nehmen". Ist das so? Steht wirklich niemand über dem Gesetz? Und was sagt dieser Fall tatsächlich über Macht und Rechtsstaatlichkeit?
Ex-Prinz Andrew wird kurzfristig festgenommen und wieder freigelassen, aber das ist hoffentlich nur der Anfang. König Charles III. betont, "das Gesetz müsse seinen Lauf nehmen". Ist das so? Steht wirklich niemand über dem Gesetz? Und was sagt dieser Fall tatsächlich über Macht und Rechtsstaatlichkeit?
Wenn man ehrlich ist, hatte man damit fast schon nicht mehr gerechnet, zu lange sind die Mächtigen und Reichen schließlich bis dato fast immer davongekommen. Aber es ist, wie König Charles III. über die Festnahme seines Bruders sagt, nachdem dessen jahrzehntelang gepflegte Nähe zu Jeffrey Epstein zur juristischen Zerreißprobe geworden ist: "Das Gesetz muss seinen Lauf nehmen."
Ja, das Gesetz muss seinen Lauf nehmen, auch wenn man sich gerade in dieser Causa, die die Welt erschüttert, fragt: Wo war das Gesetz all die Jahre? Wo war die Rechtsstaatlichkeit etwa, als Jeffrey Epstein schon im Jahre 2008 seine bundesstaatliche Verfolgung aushebelte und nach einem höchst umstrittenen Deal mit der Staatsanwaltschaft quasi davonkam? Dieser Deal gilt bis heute als Symbol für eine Justiz, die gegenüber wohlhabenden und gut vernetzten Tätern eine Milde an den Tag legte, die man sich bei weniger privilegierten Angeklagten kaum vorstellen kann. Wenn einer wie Epstein trotz zahlreicher Hinweise auf ein weitverzweigtes Netzwerk und trotz belastender Aussagen junger Frauen mit Samthandschuhen angefasst wurde, dann zeigt das, dass Geld, Einfluss und die richtigen Kontakte nicht nur Türen öffnen, sondern auch Gefängnistore halb geschlossen halten können.
Insofern machen die Ereignisse am vergangenen Donnerstag zumindest einen Funken Hoffnung, dass jene Netzwerke, die jahrzehntelang unangreifbar schienen, nicht nur infrage gestellt werden, sondern auch reale juristische Konsequenzen haben, auch für jene, die sehr lange für sich beansprucht haben, über den Dingen zu stehen.

Menschen in Deutschland lesen im Durchschnitt rund eine halbe Stunde pro Tag. Das ist durchaus ausbaufähig, findet Bob Blume. Der Lehrer und Autor wünscht sich eine Rückbesinnung auf die großen Kulturtechniken Lesen und Schreiben und verspricht sich davon nicht weniger als die Stärkung der Demokratie.












