
Xavier Naidoo fabuliert über Kannibalismus und die Hölle
n-tv
Vor mehr als drei Jahren entschuldigt sich Xavier Naidoo für den Verschwörungsunsinn, den er zuvor verzapft hat. Auch angefacht durch die Epstein-Files steckt er allerdings wohl längst wieder mittendrin, wie ein Auftritt vor dem Kanzleramt in Berlin zeigt.
Vor mehr als drei Jahren entschuldigt sich Xavier Naidoo für den Verschwörungsunsinn, den er zuvor verzapft hat. Auch angefacht durch die Epstein-Files steckt er allerdings wohl längst wieder mittendrin, wie ein Auftritt vor dem Kanzleramt in Berlin zeigt.
Es werden immer mehr Details über den bis in die höchsten Kreise reichenden Fall des verurteilten und 2019 verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein bekannt. Beinahe jeder Mann mit Geld und Macht scheint darin verstrickt und nicht nur für den Missbrauch von Frauen, sondern sogar für den von Kindern verantwortlich zu sein. Für Fans und Freunde des Musikers Xavier Naidoo Grund genug, für diesen eine Entschuldigung zu fordern. Schließlich habe er es ja schon immer gesagt: Die Elite frisst unsere Kinder. Von "rituellem Kindesmissbrauch" und einer satanischen Sekte, die Kinderblut zu Anti-Aging-Zwecken trinke, sprach er schon 2020 in einem Video und weinte dazu aufgelöst in die Handykamera.
Nun sind die ungeheuerlichen Dinge, die der seit Jahren für das Verbreiten kruder Verschwörungsmythen, offen ausgelebten Antisemitismus und seine Nähe zum Reichsbürgertum bekannte Musiker von sich gibt, so natürlich nie eingetroffen. Das hält aber nicht mal den renommierten Musikjournalisten Marcus Staiger, einst Chefredakteur von rap.de und zuletzt großer Kritiker Naidoos, davon ab, ihn plötzlich zu verteidigen und sich bei ihm zu entschuldigen. Naidoo sei "sehr viel Unrecht getan worden", sagte er kürzlich im Podcast "Kommon jetzt".
Und mit dieser Meinung ist Staiger offenbar nicht allein. Auch mehrere Rapper sollen Kontakt zu Naidoo gesucht haben, um es ihm gleichzutun. Von seinen Hardcore-Fans mal ganz zu schweigen. Etwas, das den 54-Jährigen selbst zu einem erneuten Videostatement veranlasste. In dem inzwischen gelöschten Tiktok-Clip vom 13. Februar machte er klar, dass er gar keine Entschuldigung wolle, sondern nur, dass endlich etwas gegen dieses Unrecht an den Kindern getan werde. "Wir alle müssen uns bei den Kindern entschuldigen. Und wir müssen alles daransetzen, die Kinder, die noch in den Klauen dieser Monster sind, zu befreien. Und das ist alles." Welche Kinder er damit genau meinte, blieb offen.
Ob Staiger und die anderen nach Xavier Naidoos gestrigem Auftritt vor dem Kanzleramt in Berlin immer noch denken, der Mann habe recht, ist nicht bekannt. Doch scheint der Sohn Mannheims von der Welle des Supports - er spielte gerade erst mehrere ausverkaufte Shows unter anderem in Köln, München und Berlin - so geflasht zu sein, dass er dort seinen Erzählungen noch einiges draufsetzt.

Menschen in Deutschland lesen im Durchschnitt rund eine halbe Stunde pro Tag. Das ist durchaus ausbaufähig, findet Bob Blume. Der Lehrer und Autor wünscht sich eine Rückbesinnung auf die großen Kulturtechniken Lesen und Schreiben und verspricht sich davon nicht weniger als die Stärkung der Demokratie.












