
Gil Ofarim und die Lust am Moralrausch
n-tv
Wer im Fall Gil Ofarim nicht laut genug verdammt, gilt schnell als "heimlicher Fan" und als moralisch verkommen. Doch hinter der kollektiven Entrüstung geht es auch um Reichweite, Klicks und um ein Geschäftsmodell, das von Niedertracht lebt. Willkommen in der Empörungsökonomie.
Wer im Fall Gil Ofarim nicht laut genug verdammt, gilt schnell als "heimlicher Fan" und als moralisch verkommen. Doch hinter der kollektiven Entrüstung geht es auch um Reichweite, Klicks und um ein Geschäftsmodell, das von Niedertracht lebt. Willkommen in der Empörungsökonomie.
Na, lieber Leser, sind Sie auch ein wenig erleichtert, dass das Dschungelcamp nun hinter uns liegt - mitsamt seiner moralischen Dauererregungen und aufgeladenen Kommentarspalten, die sich durch sämtliche Timelines fraßen? Eigentlich, das sage ich ganz ehrlich, wollte ich zur Ofarim-Causa gar nichts mehr schreiben. Im Grunde ist alles gesagt. Aber man kommt nicht daran vorbei. Denn es vergeht kaum ein Tag, an dem der Mann nicht erneut zur Projektionsfläche für alles Mögliche wird - für Wut, Moral und natürlich auch für Geschäftsmodelle.
Ich habe mir in den vergangenen Tagen sehr genau angesehen, was dort draußen - oder besser gesagt: in den sozialen Medien - passiert. Und ich bin dabei auf Absurditäten gestoßen, die so grotesk wirken, dass man sich unweigerlich fragt, ob die Verfasser solcher Aussagen sie wirklich so meinen oder ob sie schlicht gelernt haben, welche Knöpfe man drücken muss, damit der Algorithmus anspringt und die Reichweite explodiert.

Menschen in Deutschland lesen im Durchschnitt rund eine halbe Stunde pro Tag. Das ist durchaus ausbaufähig, findet Bob Blume. Der Lehrer und Autor wünscht sich eine Rückbesinnung auf die großen Kulturtechniken Lesen und Schreiben und verspricht sich davon nicht weniger als die Stärkung der Demokratie.












