
"Melania": Vom Überraschungserfolg zum Mega-Flop?
n-tv
"Teures PR-Feuerwerk für die Präsidentengattin", so beschreiben viele Kritiker den Dokumentarfilm "Melania". Dennoch strafen Kinobesucher sie am Startwochenende Lügen. Der Film landet auf Platz 3 der US-Kinocharts - Schummelgerüchte inklusive. Konnte der Überraschungserfolg fortgesetzt werden?
"Teures PR-Feuerwerk für die Präsidentengattin", so beschreiben viele Kritiker den Dokumentarfilm "Melania". Dennoch strafen Kinobesucher sie am Startwochenende Lügen. Der Film landet auf Platz 3 der US-Kinocharts - Schummelgerüchte inklusive. Konnte der Überraschungserfolg fortgesetzt werden?
Ein Mega-Budget für eine reine PR-Show der Präsidentengattin Melania Trump, ein mit MeToo-Vorwürfen konfrontierter Regisseur, eine Filmcrew, die teils nicht namentlich im Abspann des Films genannt werden will - und am Ende steht nach dem Startwochenende des Dokumentarfilms "Melania" dennoch ein überraschender Erfolg: gut sieben Millionen US-Dollar Einspielergebnis und Platz drei in den US-Kinocharts.
Die laut "Boxofficemojo" gut sieben Millionen US-Dollar Umsatz an den ersten drei Tagen machten "Melania" zum erfolgreichsten Start eines Dokumentarfilms seit zehn Jahren, lässt man Musik-Dokumentarfilme außen vor. Laut dem Branchenportal "The Spot" wurde für das Startwochenende dagegen nur mit etwa drei Millionen US-Dollar gerechnet. Insofern wurden die Erwartungen deutlich übertroffen. Berücksichtigt werden muss allerdings, dass "Melania" in knapp 1800 Kinos in den USA startete, was für Dokumentarfilme ziemlich viel ist. In mehr Kinos liefen in der Regel nur Filme über Superstars wie Michael Jackson, Katy Perry, One Direction oder Justin Bieber.
Allerdings war der überraschende Erfolg von Beginn an von Zweifeln begleitet. Die resultierten zum einen aus zahlreichen Social-Media-Postings leerer Kinosäle oder Screenshots von Saalplänen vieler Kinos, aus denen hervorging, dass kaum oder keine Tickets für Vorstellungen verkauft wurden. Schnell äußerten sich auch Branchenexperten wie Tom Brueggemann, der über Jahre Filme für Kinos einkaufte, und zweifelten an, dass beim Ticketkauf alles mit rechten Dingen zuging. Brueggemann brachte sogenannte Bulk-Käufe als Möglichkeit ins Spiel. Dabei sollen orchestriert in großer Zahl Tickets gekauft worden sein, die im Anschluss verschenkt wurden. Brueggemann spricht etwa von Seniorenheimen oder republikanischen Aktivisten, an die die Tickets ausgegeben worden seien. Belege kann er nicht vorlegen. Und von Amazon erfolgte natürlich ein deutliches Dementi eines organisierten Erfolgs für den Dokumentarfilm über die First Lady. Laut Portal "DMZ" soll jüngeres Publikum weitgehend gefehlt haben - 84 Prozent der Kinogänger seien über 45 Jahre alt gewesen. Es soll sich vorwiegend um weiße Frauen gehandelt haben.
US-Late-Night-Talker Jimmy Kimmel machte sich in seiner Show über den "Melania"-Erfolg lustig und brachte ebenfalls mögliche Bulk-Käufe ins Spiel. Er verwies auf 2019, als das Republikanische Nationalkomitee für 100.000 Dollar Exemplare des Buchs "Triggered: How the Left Thrives on Hate and Wants to Silence Us" von Trump-Sprössling Donald Jr. kaufte, um es in die Bestsellerliste der "New York Times" zu hieven. Mit Erfolg, es landete auf Platz eins. Und das, obwohl niemand bisher jemals das Buch "überhaupt nur geöffnet" hätte, so der US-Talker hämisch. Donald Trump hatte immer wieder gegen Kimmel geschossen und einer US-Behörde Druck gemacht, sodass seine Show kurzzeitig abgesetzt wurde. Mittlerweile ist Kimmel zurück und teilt noch schärfer gegen Trump aus als zuvor.

Menschen in Deutschland lesen im Durchschnitt rund eine halbe Stunde pro Tag. Das ist durchaus ausbaufähig, findet Bob Blume. Der Lehrer und Autor wünscht sich eine Rückbesinnung auf die großen Kulturtechniken Lesen und Schreiben und verspricht sich davon nicht weniger als die Stärkung der Demokratie.












