
Eg stahl Tanja erst ihre Jungfräulichkeit, dann ihre Jugend
n-tv
Tanja ist 14, als sie den mehr als 30 Jahre älteren Eg kennenlernt. Der bekannte Schriftsteller zieht die einsame Teenagerin in seinen Bann, schafft eine Abhängigkeit, um seine narzisstischen Bedürfnisse zu befriedigen. Lesende des Debütromans von Ulrikka S. Gernes werden Zeugen dieses Missbrauchs.
Tanja ist 14, als sie den mehr als 30 Jahre älteren Eg kennenlernt. Der bekannte Schriftsteller zieht die einsame Teenagerin in seinen Bann, schafft eine Abhängigkeit, um seine narzisstischen Bedürfnisse zu befriedigen. Lesende des Debütromans von Ulrikka S. Gernes werden Zeugen dieses Missbrauchs.
Es gab da einmal diesen Fernsehspot. Ein älterer Mann klingelt an der Tür in einer Reihenhaussiedlung, ein kleines Mädchen mit Plüsch-Hase im Arm öffnet ihm. "Komm, ich zeig dir mal einen richtigen Hasen", sagt der Mann und führt das Kind an der Hand aus dem Haus. Die Mutter bleibt in der Tür zurück, lächelt und winkt den beiden nach. "Im wirklichen Leben würden Sie Ihre Kinder schützen", lautete der Claim des Jugendschutz-Werbefilms. Beim Lesen des im Gutkind-Verlag erschienenen Romans "Ein Mädchen verließ das Zimmer" von Ulrikka S. Gernes schiebt sich dieser längst vergessene Werbeclip von 2007 wieder ins Bewusstsein. So verspürt man den Drang, ihn den Eltern der Protagonistin Tanja vor die Nase zu halten und in Dauerschleife abspielen zu lassen.
1980 ist Tanja 14 Jahre alt. Sie liest und fotografiert gerne, später könnte sie sich vorstellen, Dichterin zu werden. Als sie mit ihren Eltern eine Vernissage besucht, trifft sie Eg zum ersten Mal. Eg ist damals 46 und ein angesehener Schriftsteller. Einer, über den die Frauen sagen, er sei rücksichtsvoll, klug und charmant. Als Freund der Familie kommt er mit Tanja ins Gespräch, es ist ein Leichtes für ihn, ihre Aufmerksamkeit und Faszination auf sich zu ziehen. Mit der Bitte, ihm einen Brief zu schicken, schiebt Eg der Teenagerin einen kleinen Zettel zu. Neben seiner Adresse prangt ein kleines Herz.
Von nun an ist Eg in Tanjas Leben - und permanent in ihrem Kopf. Sie fangen an, Briefe auszutauschen, anfangs über Alltägliches, dann über ihre unerschütterliche Liebe. Es sind vor allem Egs Briefe an die 14-Jährige, die vor Kitsch triefen. Tanja sei die Schönste, Klügste, Liebste, schreibt er, und die Welt mit ihren bürgerlichen Normen würde ihre Liebe ohnehin nur schwer verstehen.
Das Teenager-Mädchen saugt die Worte auf, zum ersten Mal verspürt sie Nähe, Leidenschaft und das Gefühl, ernst genommen zu werden. Vor allem aber stopfen die Briefe die Einsamkeit in Tanjas Leben. Sie ist das jüngste von drei Kindern, kam, "als sich niemand mehr so richtig ein Baby gewünscht hatte". Die Familie lebt abgeschieden im schwedischen Wald. Tanjas Eltern sind ganz mit sich selbst beschäftigt: Der Vater, ein Künstler, der Tanja in einer depressiven Episode einmal an den Kopf warf, sie solle doch Blausäure trinken. Und eine Mutter, eigentlich liebevoll, wenn sie nicht so viele Sorgen und Arbeit in ihren Ehemann stecken müsste.

Menschen in Deutschland lesen im Durchschnitt rund eine halbe Stunde pro Tag. Das ist durchaus ausbaufähig, findet Bob Blume. Der Lehrer und Autor wünscht sich eine Rückbesinnung auf die großen Kulturtechniken Lesen und Schreiben und verspricht sich davon nicht weniger als die Stärkung der Demokratie.












