Lula-Samba spaltet Brasilien
ZDF
Karneval und Politik sind in Brasilien untrennbar. Im Wahljahr huldigt eine Sambaschule dem Präsidenten Lula und löst eine Debatte aus.
Karneval und Politik sind in Brasilien untrennbar. Im Wahljahr huldigt eine Sambaschule dem amtierenden Präsidenten Lula und sorgt damit für eine politische Debatte. Lula hebt die rechte Faust, den Blick fest nach vorn gerichtet. Meterhoch ragt seine Figur über das Sambodrom, thront auf dem Wagen der ersten Sambaschule beim Karneval in Rio de Janeiro. Aus den Lautsprechern erklingt ein Lied, das seine Lebensgeschichte erzählt, vom Arbeiter zum Präsidenten. Einige Meter weiter läuft eine Figur, die Brasiliens Ex-Präsident Jair Bolsonaro darstellt, in Sträflingskleidung. In der Menge formen Tänzer mit den Fingern ein "L" - wie "Lula". Der brasilianische Karneval ist traditionell auch ein Ort politischer Anspielungen, meist kritisch, selten wohlwollend. Dass aber eine Sambaschule gleich ihren gesamten Auftritt einem amtierenden Präsidenten widmet, der sich noch dazu im Herbst zur Wiederwahl stellen will, entfacht eine landesweite Debatte. Ist das Kulturfreiheit oder illegaler Wahlkampf? Könnte Lula da Silva dafür gar vom Wahlgericht von der erneuten Kandidatur ausgeschlossen werden? Flávio Bolsonaro, Sohn des Ex-Präsidenten und wahrscheinlich Präsidentschaftskandidat bei den Wahlen im Oktober, bezeichnet den Umzug auf der Plattform X als "Verbrechen" und "moralische Verkommenheit". Er beschuldigt Präsident Lula, im Sambodrom mit Steuergeldern illegalen Wahlkampf zu betreiben. Tatsächlich haben alle Sambaschulen Gelder aus dem brasilianischen Bundeshaushalt bekommen, als direkten Zuschuss von insgesamt zwölf Millionen Reais (rund 2,1 Millionen Euro). Der Bundesrechnungshof forderte vor dem Umzug Erklärungen von den Organisatoren des Lula-Sambas, dem Kulturministerium und der Tourismusagentur Embratur. Die Prüfer empfahlen sogar, die Bundesmittel für die Sambaschule wegen des Lula-Sambas sofort auszusetzen. Embratur wies die Vorwürfe zurück: Man unterstütze den Karneval finanziell, "greife aber nicht in die Auswahl der Samba-Themen ein". Die Sambaschulen sind frei in der Auswahl ihrer Themen - Präsident Lula hat die Hommage also nicht in Auftrag gegeben. Er war aber über die Pläne informiert.













