Hanau: Stilles Gedenken an Opfer der rassistischen Morde
ZDF
Sechs Jahre nach dem rassistischen Anschlag von Hanau bleibt vieles ungeklärt. Angehörige fordern Aufklärung, die Stadt dagegen gedenkt still.
Am 19.2.2020 erschießt ein Rechtsterrorist in Hanau neun Menschen aus rassistischen Motiven. Dann tötet er seine Mutter und sich selbst. Was sagen die Angehörigen der Opfer heute? Am 10. Januar dieses Jahres ist ein weiteres Opfer des Anschlags von Hanau gestorben. Auf Ibrahim Akkuş hatte der Täter Tobias R. achtmal in der Arena-Bar in Hanau-Kesselstadt geschossen. Der Kurde überlebte schwerverletzt, ist nun aber mit 70 Jahren den Spätfolgen der Schussverletzungen erlegen. Der sechste Jahrestag wird ohne große Gedenkfeier begangen. An zwei Tatorten hat der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky die Angehörigen zum stillen Gedenken eingeladen. Angesichts des diesjährigen Mottos "Erinnern heißt Verändern" zeigt sich Kaminsky nachdenklich. "Ich glaube, der Kampf gegen Rechtsextremismus war in den letzten Jahren nicht wirklich erfolgreich", sagt er. "Das ist das eine. Das andere ist, dass sich hier in Hanau so viele Initiativen gebildet haben, etwa die Bildungsinitiative Ferhat Unvar. Und das gibt dann auch Hoffnung und Mut." Armin und Dijana Kurtović sind zur gleichen Zeit im muslimischen Teil des Hanauer Friedhofs, wo sie ihres Sohnes Hamza gedenken. Er war 22 Jahre alt, als er in der Arena-Bar in Hanau-Kesselstadt ermordet wurde. "Wie sollen wir in Ruhe trauern, wenn es von Seiten der Behörden kein Interesse an Aufklärung und keine Konsequenzen gibt", sagt Armin Kurtović. "Das hat sich leider auch nach sechs Jahren nicht verändert." Der rassistische Anschlag von Hanau hat bis heute zu keinem Gerichtsverfahren geführt. Obwohl durch die Angehörigen viele Missstände aufgedeckt wurden, die später vom Wiesbadener Untersuchungsausschuss bestätigt wurden. Armin Kurtović fand selbst heraus, dass der Notausgang in der Arena-Bar seit Jahren regelmäßig verschlossen war. Er hatte Zeugen befragt und stieß auf Hinweise, dass der Notausgang regelmäßig verschlossen war, um Razzien der Polizei zu erleichtern. Und möglicherweise kam die Anordnung dazu sogar von Polizisten. Dem ZDF liegt eine Zeugenaussage von 2022 vor, die den Verdacht nahelegt. Die Polizei Hanau bestreitet eine solche Anordnung.













