Das neue Kanada: "Nostalgie ist keine Strategie"
ZDF
In Davos wirbt Kanadas Premier Carney für einen neuen Kurs. Er positioniert sich gegen Trump und China, KI und Seltene Erden werden wichtiger.
Kanadas Premier Carney hat in Davos eine viel beachtete Rede gehalten. Seine Antwort auf Trumps Machtansprüche: Pragmatismus statt Ideologie. Dafür gibt es Applaus - und Kritik. Mark Carney sieht Kanada in einer Schlüsselrolle für die Zukunft der internationalen Ordnung. In mehreren Reden macht der Premierminister des Landes deutlich, dass die Welt sich schneller verändere, als es klassische Bündnissysteme auffangen könnten. Dieser Satz bringt den Kern der neuen Strategie auf den Punkt: Anpassung statt Nostalgie, Eigenständigkeit statt Abhängigkeit, Flexibilität bei der Wahl der Bündnis- und Handelspartner. Historisch war Kanada stark auf enge Partnerschaften mit westlichen Verbündeten angewiesen, insbesondere mit den USA und Europa. Diese Beziehungen bleiben zwar wichtig, doch Carney betont, dass sie allein nicht mehr ausreichten. Handelskonflikte, protektionistische Tendenzen und politische Unberechenbarkeit hätten gezeigt, wie verletzlich ein zu einseitig ausgerichtetes Modell sein könne. Carney meint damit vor allem Trumps Zollkrieg mit Kanada und die ständigen Drohungen, Kanada zum 51. Staat der USA machen zu wollen. Als Konsequenz diversifiziert Kanada seine außenpolitischen und wirtschaftlichen Beziehungen. Seit Carneys Amtsantritt wurden zahlreiche neue Handels- und Sicherheitsabkommen geschlossen - auch mit Staaten, die bislang nicht zu den engsten Partnern zählten. Besonders aufmerksam verfolgt wird dabei die Annäherung an China. Während andere westliche Staaten ihre Beziehungen zu Peking zunehmend einschränken, setzt Ottawa auf einen kontrollierten, interessenbasierten Dialog. Nur wenige Tage vor seiner Rede in Davos war Carney zu einem Staatsbesuch in China. Carney sicherte dort ein vorläufiges Handelsabkommen, das unter anderem den Import chinesischer Elektroautos nach Kanada und die Senkung von Zöllen auf kanadische Produkte wie Rapsöl umfasst. Carneys Annäherung an China stößt jedoch nicht überall auf Zustimmung. Kanadische Oppositionspolitiker und Beobachter kritisieren, dass Carney noch vor einem Jahr von China als größter Sicherheitsbedrohung gesprochen habe und nun eine strategische Partnerschaft mit Peking ankündige. Die Reduzierung von Zöllen auf chinesische Elektroautos bringe zudem Nachteile für die kanadische Automobilindustrie.













