Merz und Macron - wo es knirscht zwischen Berlin und Paris
ZDF
Merz und Macron inszenieren ein freundschaftliches Verhältnis. Mercosur, Trump und Rüstungsfragen könnten diese Harmonie aber stören.
Händedruck, große Worte, alte Konflikte: Friedrich Merz und Emmanuel Macron wollen Europas Motor sein. Doch zwischen Mercosur, Rüstung und Trump bleibt das Verhältnis fragil. Herzliche Begrüßungen, entspanntes Lächeln, ein nahezu freundschaftlicher Umgang. So wirkt es zwischen dem französischen Präsidenten Macron und Bundeskanzler Merz seit seinem Antrittsbesuch vor knapp neun Monaten. Nach dem kühleren, sachlichen Verhältnis zwischen Ex-Kanzler Olaf Scholz und Macron scheint die freundschaftliche Ebene der deutsch-französischen Beziehung wiederbelebt. Doch wie eng ist dieses Verhältnis wirklich jenseits von Gesten und Symbolik? Beim EU-Sondergipfel in Brüssel wirkte ihr Verhältnis sachlich koordiniert: Mit unterschiedlichen Worten, aber ohne öffentlichen Widerspruch und gemeinsam für Europa. Dabei aber weniger kumpelhaft als beim deutsch-französischen Ministerrat im Sommer in Toulon. Dort betonten sie Schulter an Schulter, eine gemeinsame Agenda schaffen zu wollen. In Sachen Mercosur-Abkommen - dem Freihandelsabkommen, das die EU mit vier südamerikanischen Ländern verhandelte - zeigen sich die unterschiedlichen Interessen deutlich. Deutschland gilt als wichtigster Befürworter. Für die exportorientierte deutsche Wirtschaft ist das Abkommen ein strategisches Mittel, um gegen die zunehmende Handelsaggression der USA unter Donald Trump zu reagieren. Frankreich hingegen zeigt klare Kante zum Schutz seiner Landwirte. Auch in Verteidigungsfragen sind sich beide Länder nicht einig. Mit dem Luftkampfsystem FCAS sollte ein gemeinsamer Sicherheitsschirm der Verteidigung entstehen, um die europäische Souveränität zu stärken. Doch Industrieinteressen und Führungsfragen, die beide Länder beanspruchen, bremsen das Projekt. Der französische Rüstungskonzern Dassault beansprucht die Leitung, das europäische Airbus-Unternehmen fordert Gleichberechtigung. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hatte eine Entscheidung bis Ende 2025 angekündigt - bislang ohne Ergebnis. Auf internationaler Bühne präsentieren sich Merz und Macron oft geschlossen. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos traten sie rhetorisch eng abgestimmt auf. Unterschiede zeigen sich jedoch im Umgang mit den Zoll-Drohungen der USA. Macron betont selbstbewusst, sich nicht der "Macht des Stärkeren" zu beugen, während Merz deeskalierend beschwichtigt und die transatlantischen Beziehungen wahren will. Einig sind sie bei der Mitgliedschaft in vom US-Präsidenten Trump gegründete und geleitete "Board of Peace" - einem zwischenstaatlichen Friedensrat: Weder Frankreich noch Deutschland werden teilnehmen. Auch in der Unterstützung der Ukraine setzen beide auf enge Zusammenarbeit.













