Kleines Land, große Wirkung: Richtungswahl in Slowenien
ZDF
Slowenien wählt am 22. März ein neues Parlament. Der Balkanstaat kämpft mit hohen Preisen und Korruption. Ein Orban-Sympathisant könnte siegen.
Die EU blickt erneut mit Sorge auf eine Parlamentswahl im Südosten. Am Sonntag wählt Slowenien - wo ein Freund und Bewunderer Viktor Orbans gewinnen könnte. EU-Mitglied Slowenien gilt als das wohlhabendste Land im Südosten Europas und hat sich seit der Loslösung von Jugoslawien 1991 zum Musterschüler auf dem Balkan entwickelt - dank Tourismus und starkem Export. Die 2,1 Millionen Einwohner gehören laut Umfragen zu den glücklichsten Menschen in der EU. Am Sonntag wählt Slowenien ein neues Parlament. Doch unter der glücklichen Oberfläche brodelt es: steigende Preise, ein angeschlagenes Gesundheitssystem, Korruption und eine unter Druck stehende Wirtschaft. Viele geben der Mitte-Links-Regierung von Robert Golob die Schuld. Max Davidović setzt deshalb auf die Opposition: das Mitte-Rechts-Lager um Janez Janša. Der 24-jährige Student der Europawissenschaften in Ljubljana hofft auf mehr Politik für junge Menschen. Max braucht zwei Jobs, um über die Runden zu kommen, teilt sich eine Wohnung mit vier Kommilitonen. Bezahlbarer Wohnraum, sagt er, wird knapper, und nicht nur das: "Meiner Meinung nach stehen junge Menschen vor existenziellen Problemen: Kann ich mir Essen und Trinken noch leisten, oder tanken?" Janša soll's lösen. Der Chef der konservativen Demokratischen Partei (SDS) war schon dreimal Premier und führt nun das rechte Oppositionslager an. In Umfragen liegt er vor Mitte-Links und verfehlt nur knapp die nötigen 46 Sitze für die Regierungsmehrheit. Die würde erreicht, wenn er zusätzlich mit der als rechtspopulistisch und pro-russisch geltenden Partei Resni.ca koalieren würde. Viele hoffen, dass Janša wirtschaftliche Impulse liefert, Kritiker sehen in ihm ein Risiko: Janša gilt als Populist, orientiert sich an seinen Vorbildern Viktor Orban und Donald Trump, übte Druck auf Medien aus und fällt im Wahlkampf mit scharfer Rhetorik auf. "Ich glaube, dass er einen Sieg als Legitimation ansehen würde, dort weiterzumachen, wo er aufgehört hat", sagt Historiker Luka Lisjak Gabrijelčič. "Also die Unterordnung der Zivilgesellschaft und der unabhängigen Institutionen unter seine Herrschaft, und dass er dies mit noch viel mehr Nachdruck tun würde als in seiner vorherigen Amtszeit." Lisjak Gabrijelčič könne sich sogar vorstellen, dass Janša Trumps Friedensrat beitreten könnte.













