Muss die EZB die Zinsen erhöhen?
ZDF
Die Inflation rückt wegen des Iran-Kriegs wieder in den Fokus. Steigende Ölpreise erhöhen bei der EZB den Druck zum rechtzeitigen Handeln.
Die massiv gestiegenen Ölpreise führen zu Nervosität bei der Europäischen Zentralbank. Man will den richtigen Zeitpunkt zum Eingreifen auf gar keinen Fall verpassen. Rückblende: Vor vier Jahren marschierte Russland in die Ukraine ein. Die Rohstoffpreise schossen in die Höhe. Zuvor schon hatte die Corona-Pandemie zu Lieferengpässen und steigenden Preisen bei vielen Produkten geführt. Dieser negative Doppelschlag für die Wirtschaft führte zum größten Inflationsschock seit den 1970er Jahren. Zeitweise lag die Teuerung bei über zehn Prozent. Klassischerweise bekämpft man Inflation mit höheren Zinsen. Doch die Europäische Zentralbank (EZB) - eigentlich für die Stabilität der Preise zuständig - reagierte mit einer Politik der ruhigen Hand. Unterschätzte die Wucht der Inflation. Viele werfen ihr bis heute vor, die Zinsen zu spät erhöht zu haben. "Damals argumentierte die EZB, dass die Inflation nur vorübergehend wäre", meint beispielsweise der Chefvolkswirt der DekaBank, Ulrich Kater. "Damit hatte sie am Ende sogar Recht, nur war die Welle deutlich höher als erwartet." Der Marktanalyst Maximilian Wienke formuliert es noch schärfer: In diesen Tagen und Wochen fühlt sich die Ausgangslage ein bisschen wie damals an. Die Energiepreise schießen wegen des Kriegs mit Iran nach oben und die Ökonomen überbieten sich mit Warnungen vor empfindlich hohen Inflationsraten in den kommenden Monaten. Auch wegen der Versäumnisse aus 2022 steht die Europäische Zentralbank nun unter besonderer Beobachtung. Die Erwartungshaltung gegenüber der kommenden Ratssitzung an diesem Donnerstag ist entsprechend hoch. "Die EZB kann den Druck nicht leugnen und die Sitzung am Donnerstag wird sicherlich zu einem gewissen rhetorischen Drahtseilakt werden", glaubt auch Analyst Jochen Stanzl. Wahrscheinlich wird man erklären, dass man die Inflation sehr streng beobachtet. Möglicherweise wird auch eine Zinserhöhung in diesem Jahr nicht mehr ausgeschlossen. Mehr als eine solche rhetorische Anpassung von EZB-Chefin Christine Lagarde auf ihrer Pressekonferenz erwartet Stanzl aber nicht.






