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"Die Lage in der Ukraine ist bedrückend"

"Die Lage in der Ukraine ist bedrückend"

ZDF
Monday, February 14, 2022 08:18:19 PM UTC

Wie ein Deutscher den Konflikt in Kiew erlebt, und welche Sorgen er sich macht.

Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine schwillt weiter an. Doch wie geht es eigentlich den Menschen vor Ort? Tim Leto Tewes (30) lebt in Kiew. ZDFheute erzählt er von Notfallplänen, seine Sorgen und die Stimmung in der ukrainischen Hauptstadt:

"Es wirkt surreal: Es ist 2022 und ich sitze im Zentrum von Kiew und mache Notfallpläne für den Kriegsfall. Seit über einem Jahr wohne ich hier mit meiner Freundin - wir sind in die Ukraine ausgewandert. Ein Abenteuer hatten wir uns zwar gewünscht, aber ganz bestimmt nicht so eines.

Zur Sicherheit sind wir vor kurzem ein paar Tage in den Westen gefahren - wir dachten, es könnte jeden Moment zum Krieg kommen. Es blieb zum Glück ruhig. Meine Freundin ging nach Berlin - ich zurück nach Kiew. Am Samstag hat die deutsche Botschaft dann allen Deutschen empfohlen, die Ukraine zu verlassen. Meldungen wie diese bringen einen zum Nachdenken - auch, weil die deutsche Regierung meinem Empfinden nach, bisher sehr vorsichtig agiert hat. Zeitgleich bekomme ich immer mehr Nachrichten aufs Handy.

Nur was soll ich tun? Ein deutscher Freund hat empfohlen, vorsichtshalber Bargeld abzuheben und Wasser auf Vorrat zu kaufen. Ich buche mir stattdessen ab Mittwoch eine Ferienwohnung. Die liegt 250 Kilometer südwestlich von Kiew. Warum am Mittwoch? Einen Tag vorher fliegt Olaf Scholz nach Moskau.

Aber auch nicht alle sind in Panik: Ein ukrainischer Freund kommt ursprünglich aus Berdyansk - das liegt zwischen der Krim und Donetsk. Er besucht dort gerade seine Familie und macht sich kaum Sorgen. Andere ukrainische Freunde planen eine Party in Kiew. Für sie ist der Konflikt nichts Neues.

Auch die Stimmung in der Stadt scheint normal. Bei Spaziergängen konnte man zuletzt volle Bars und Restaurants beobachten und auch sonst scheint alles wie immer. Es ist aber auch irgendwie nachvollziehbar: Manche sind überzeugt, dass nichts passieren wird, andere können, oder wollen nicht einfach gehen. Und Zuhause ist es auch nicht sicherer als auf der Arbeit oder im Restaurant. Panik per se hilft auch nicht.

 

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