Wo Schutz suchen im Ernstfall?
ZDF
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz arbeitet an einem neuen Schutzraumkonzept für den Katastrophenfall. Die Kommunen warten auf Vorgaben.
Deutschland hat zu wenig Bunker: Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe will mit einem Schutzraumkonzept gegensteuern, doch das lässt auf sich warten. Wenn es hart auf hart käme, hätte es Wolfgang Würmell nicht weit. Der 73-Jährige aus Kindsbach bei Landstuhl in Rheinland-Pfalz hat seinen eigenen Bunker, nur wenige Meter von seinem Zuhause entfernt. In den 1930er Jahren hatte die Wehrmacht eine ehemalige Sandgrube seiner Familie beschlagnahmt und dort ab 1937 den Bunker als Teil des Westwalls gebaut. Später nutzten ihn die Amerikaner, er war ein zentraler Bestandteil der Nato-Luftverteidigung. Die 4.400 Quadratmeter große Anlage könnte heute wieder Schutz bieten, meint ihr Besitzer, wenn man sie etwas modernisieren würde. Im Eingangsbereich könne man schnell 40 bis 50 Menschen unterbringen und dann nach und nach problemlos erweitern: 1993 wurde das Gelände von den Amerikanern aufgegeben. Wolfgang Würmell bekam es zurück, konnte den Bunker aber nicht weiter in Schuss halten und so begann der Verfall - eine Entwicklung, die auch auf viele öffentliche Schutzräume in Deutschland zutrifft. Bis zum Ende des Kalten Krieges gab es in Westdeutschland etwa 2.000 öffentliche Schutzräume mit rund 1,6 Millionen Plätzen. 2007 gab der Bund das sogenannte Schutzbaukonzept auf und immer mehr Bunker wurden stillgelegt. Aktuell verzeichnet die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) noch 579 öffentliche Schutzräume mit etwa 478.000 Plätzen. Voll einsatzfähig ist laut BImA aber kein einziger. Mit Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine hat die Frage, wie es um Deutschlands Bunker steht, neue Aufmerksamkeit bekommen - und die Leerstelle offenbart.













