Kann Italien sein Nachhaltigkeits-Versprechen halten?
ZDF
Alte Wettkampfstätten, neue Kritik: Italien will bei den Olympischen Winterspielen beweisen, dass Nachhaltigkeit mehr als eine PR-Aktion ist.
Bestehende Ressourcen und Wettkampfstätten nutzen: Die Olympischen Winterspiele werben damit, besonders nachhaltig zu sein. Stimmt das? Hoch in den Südtiroler Alpen, zwischen 1.000 und 1.600 Metern Höhe, liegt das idyllische Bergdorf Antholz. Mitten im Ort in seiner kleinen Werkstatt sitzt Rudolf Bachmann, der eigentlich Gitarrenbauer ist, und schraubt an Gewehrschäften. Denn Bachmann baut keine Gitarren mehr: Er ist ein stolzer Teil der kommenden Olympischen Winterspiele in der Region und inzwischen einer der weltbesten Gewehrschaftbauer. "Der Tischler hier im Dorf hatte keine Lust, diese Gewehrschäfte für die Biathleten zu reparieren. Und da sind sie zu mir gekommen. Im Weltcup sind von mir meistens 30 bis 35 Schäfte unterwegs. Bei Olympia werden es ein paar weniger sein", sagt Bachmann. Bachmann repariert lieber als neu zu bauen und passt deshalb gut zur Nachhaltigkeitsmission dieser Winterspiele. Ganz in der Nähe seiner Werkstatt trainieren bereits Athleten auf der Antholzer Biathlon-Strecke, die sich für Weltklasse-Wettkämpfe in der Vergangenheit bereits bewährt hat. In wenigen Wochen werden die Biathleten hier um olympische Medaillen kämpfen. "Ich denke, unser Masterplan ist äußerst klar. Die meisten Wettkampfstätten waren bereits vorhanden", erklärt Andrea Francisi, Chief Games Operations Officer. Auf den Bau eines olympischen Dorfes hat man in Antholz deshalb gleich ganz verzichtet und nutzt stattdessen die Hotels im Ort für die Unterbringung der Athleten. Für die erfahrene Hoteliersfrau Anna Lisa Preindl sind das ganz neue Herausforderungen, denn es gibt strenge Auflagen des Olympischen Komitees für Logistik, Sicherheit und Ernährung der Sportler. Anna Lisa Preindl vom Hotel Alpenhof in Antholz sagt: "Ich finde sehr gut, dass dieser olympische Gedanke bei uns in Antholz auch gelebt wird." Grüne Flächen und Schneekanonen sind überall auf der Welt längst Teil des Wintersports geworden. Das führt auch dazu, dass sich immer weniger Städte und Regionen die Organisation und Ausrichtung olympischer Winterspiele zutrauen. Italien will nun jedoch Standards in Sachen Nachhaltigkeit setzen. Und so haben sich die Organisatoren auch in Cortina d`Ampezzo beispielsweise dafür entschieden, die Sportlerinnen und Sportler in mobilen Wohnheimen auf Rädern unterzubringen. Nach Ende der Spiele werden die Wohnheime einfach wieder abgebaut. Doch nicht überall funktioniert das Nachhaltigkeitsversprechen. Für besonders großen Ärger bei Umweltschützern sorgte im Vorfeld die neu gebaute Bobbahn in Cortina d'Ampezzo. Denn die italienische Regierung ließ sie gegen den ausdrücklichen Wunsch des Olympischen Komitees bauen, das eine Bobbahn im Ausland empfohlen hatte.













