Japans einsame Herzen als Wirtschaftszweig
ZDF
In Japan wird Einsamkeit zum Geschäft. Von Mietpartnern bis Kuschel-Cafés: Nähe wird inszeniert, während echtes Dating und Beziehungen schwinden.
Romantik ist out, Organisation ist in. In Japan mieten Singles Partner auf Zeit, lernen das Daten in Kursen und gehen auf der Suche nach Liebe zu staatlichen Kuppel-Partys. "Zölibat-Syndrom" nennt man das mangelnde Interesse von Männern und Frauen in Japan an Sex und Beziehungen: Ein Drittel der Japaner unter 50 hatte noch nie eine Beziehung, geschweige denn Sex. Die Ursachen für diese Entwicklung sind auch in der japanischen Kultur verwurzelt. Soziale Distanz zwischen den Geschlechtern ist in Japan normal: Händeschütteln, Umarmungen und Küsse? In der Öffentlichkeit eher unüblich. Viele Japanerinnen und Japaner sehnen sich jedoch nach Zweisamkeit. Einigen Unternehmen beschert das hohe Umsätze: Solo-Barbecues und -Hochzeiten sowie Mietfreundinnen sind nur zwei von vielen Angeboten. Mitsu, ein 25-jähriger Single, der in der IT-Branche arbeitet und passionierter Gamer ist, erzählt in der ZDFinfo-Dokumentation "Let's Talk about Sex - Japan" von seinem Treffen mit einer "Mietfreundin". Er hat sich die Frau in einer Art Katalog ausgesucht. Für eine Stunde zahlt er 8.000 Yen, rund 45 Euro. In dieser Zeit kann er mit ihr zum Beispiel den Umgang mit Frauen üben. Anfassen oder Küssen ist tabu. Doch weil er über die Arbeit niemanden kennenlernt, wählt Mitsu diesen Weg. Sehen Sie die Doku "Let's Talk about Sex - Japan" jederzeit im ZDF-Streaming-Portal. In "Kuschel-Cafés" dagegen ist Anfassen erlaubt. Wer eine Stunde Löffelchen liegen möchte, eine Position, bei der sich zwei Menschen aneinander kuscheln wie zwei Löffel in einer Schublade, zahlt dafür etwa 150 Euro. Vorteil: Man kann sich das "perfekte" Mädchen aussuchen und es trägt das Kostüm, das sich der Kunde wünscht. Besonders beliebt ist das eines Zimmermädchens, seltener wird das Goldfischkostüm verlangt. Sex kann man im Kuschel-Café übrigens nicht kaufen.













