Gisèle Pelicot: "Diese Geschichte gehört nicht mir allein"
ZDF
Gisèle Pelicot erzählt im Interview von dem öffentlichen Vergewaltigungsprozess und wie sie Betroffene in Frankreich und weltweit stärken will.
Gisèle Pelicot erzählt im ZDF von den Verbrechen ihres Ex-Mannes, dem Prozess gegen ihre Vergewaltiger und wie sie Betroffenen Mut machen will, nicht nur in Frankreich. Gisèle Pelicot empfängt uns in einem Pariser Altbau. Ein enger Flur mit Bücherregalen, ein Büro mit hohen Fenstern. Sie nimmt sich Zeit. Wählt ihre Worte mit Bedacht. Viele Interviews hat sie noch nicht gegeben, abgesehen von den Statements im Presse-Pulk 2024 beim Prozess in Avignon. Bewahrt hat sie sich die zurückhaltende Art, doch auch eindringliche Entschlossenheit: Die Scham solle die Seite wechseln, diese Forderung wurde zum Leitsatz ihrer Geschichte. Darüber hat sie nun ein Buch geschrieben. ZDFheute: Am 2. November 2020 wurde Gisèle Pelicot ins Kommissariat von Carpentras in Südfrankreich bestellt. Madame Pelicot, wie erinnern Sie diesen Moment? Gisèle Pelicot: Man zeigte mir ein Foto, dann ein weiteres. Ich habe mich nicht erkannt. Ich wusste nicht, wer diese Frau sein sollte. Eine Frau, die wie eine Stoffpuppe da lag. So sehr verkleidet. Das war nicht ich. Ich trage einen Pyjama, wenn ich schlafe. Beim dritten Foto sagte Kommissar Perret: Aber doch, Madame Pelicot, das sind Sie. Und es ist Ihr Schlafzimmer. In dem Moment löste sich mein Gehirn auf. Das war einfach nicht vorstellbar. Der Mann, mit dem ich 50 Jahre meines Lebens verbracht habe. Wie konnte er mir so etwas antun? Jahrelang wurde Gisèle Pelicot von ihrem damaligen Ehemann mit starken Medikamenten betäubt und vergewaltigt, zuhause, im Urlaub, im Auto. Und er hat sie von fremden Männern vergewaltigen lassen. Die Taten wurden gefilmt. Erst als das Haus der Pelicots wegen einer anderen Straftat des Ex-Manns durchsucht wurde, kam alles ans Licht.













