Begegnung mit Gisèle Pelicot: "Ich war nicht nur ein Opfer"
ZDF
Gisèle Pelicot erzählt im exklusiven ZDF-Interview von ihrem Leben nach dem Prozess und weshalb sie Dominique Pelicot noch einmal treffen will.
Gisèle Pelicot spricht im ZDF über Vertrauen, Lebensfreude und warum sie ihrem Ex-Mann im Gefängnis noch eine letzte Frage stellen will. Was wir aus dem Treffen mit ihr mitnehmen. Gisèle Pelicot nimmt sich Zeit an diesem Vormittag im Januar in Paris. Sie zeigt uns die deutsche Fassung ihres Buches, dann lacht sie kurz auf: "Der Titel ist ja doppelt so lang wie der französische!" Sie betrachtet das Foto auf dem Cover, das Porträt einer Frau, die glücklich ist. "Eine Hymne an das Leben" hat sie ihre Memoiren genannt. Und auch ihr Leitsatz "Die Scham muss die Seite wechseln" steht da geschrieben. Diese Forderung hat sich eingebrannt seit dem Vergewaltigungsprozess im Herbst 2024, über den Journalisten aus aller Welt berichteten. Auch wir waren für das ZDF immer wieder dort, Interviews gab sie nie. Bis jetzt, bis zur Veröffentlichung ihrer Memoiren. Sie erzählt, wie sie auf der Polizeiwache von Verbrechen ihres Ex-Manns erfahren hat. Wie sie es geschafft hat, nicht daran zu zerbrechen. Dass sie von ihrer Großmutter und Mutter gelernt habe, den Glauben an die Liebe nie zu verlieren. Für all das bittet Gisèle Pelicot weder um Bewunderung noch um Mitgefühl. Sie will einfach ihre Geschichte selbst erzählen, vor, während und nach dem Vergewaltigungsprozess in Avignon, in dem ihr Leben auseinandergenommen wurde. Mit einem Mal gab es viele Versionen ihrer Geschichte. "Aber ich erkannte mein Leben nicht wieder, wenn es andere zusammenfassten. Ich war glücklich gewesen, ganz bestimmt. Ich war nicht nur ein Opfer", schreibt sie in ihren Memoiren. Sie strahlt, wenn sie von ihrem neuen Partner erzählt, von ihren Gemeinsamkeiten, die sie nach und nach entdeckt haben. Jean-Loup bleibt im Hintergrund, aber immer in ihrer Nähe. "Ich freue mich auf ein ruhigeres Leben, umgeben von den Menschen, die ich liebe", gesteht Gisèle Pelicot. Sie sei immer noch in der Lage zu vertrauen.













