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Deutsche Firmen steuern radikal um

Deutsche Firmen steuern radikal um

n-tv
Tuesday, October 25, 2022 08:39:14 AM UTC

Lange haben deutsche Unternehmen auf das Credo "Der Markt regelt alles" gesetzt. Doch das Vertrauen gerade in autokratische Länder als Rohstoff-Lieferanten bröckelt. Im Eiltempo versuchen Firmen deshalb, Alternativen zu finden und ihre Abhängigkeit zu verringern.

Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine am 24. Februar hat in Deutschland ein hektischer Wettlauf um mehr Rohstoff-Unabhängigkeit eingesetzt. Denn mit Schrecken entdecken deutsche Firmen und die Politik, wie sehr die Industrie nicht nur bei Energieträgern wie Öl oder Gas von wenigen, oft autokratischen Ländern abhängig ist - gerade bei High-Tech-Produkten für die Energiewende wie E-Autos, Solar- und Windkraftanlagen. "Etwa 80 Prozent der Bergbauproduktion findet in nur 16 Ländern statt", warnt Sven-Uwe Schulz, stellvertretender Leiter der Deutschen Rohstoffagentur (DERA). "Und bei der Weiterverarbeitung ist es noch gravierender: Knapp 50 Prozent der weltweiten Raffinade-Produktion kommen aus China."

Deshalb steuern Firmen und Politik nun radikal um - sogar Autobauer entdecken plötzlich den Charme, sich mit Bergwerken zu beschäftigen. Haupttriebkraft ist vor allem die Angst vor Abhängigkeit von autoritären Staaten wie Russland und China. "Weltweit sehen wir eine klare Expansion chinesischer Minenbetreiber. China treibt die Sicherung der Rohstoffe für seine Interessen sehr strategisch und in großen Umfang voran", sagt die zuständige Staatssekretärin, Franziska Brantner. "Insbesondere in Argentinien haben sich chinesische Firmen die Mehrzahl der Konzessionen für Lithium-Minen in dem Land gesichert", nennt Roland Harings, Chef des deutschen Kupferproduzenten Aurubis, ein Beispiel. BDI-Präsident Siegfried Russwurm spricht von einem "echten Kraftakt", um die Rohstoffabhängigkeit von China zu reduzieren.

Im Eiltempo versuchen deutsche Politiker und Unternehmen, sichere Lieferanten zu finden. Im August reiste Kanzler Olaf Scholz nach Kanada und lobte: "Kanada hat alles, was Russland auch hat." Autokonzerne wie VW und Mercedes-Benz, die sich lange auf dem freien Markt bedienten, schlossen am Rande des Besuchs Absichtserklärungen zur Sicherung des Bezugs etwa des Leichtmetalls Lithium, das für die Batterie-Herstellung benötigt wird. Am 20. Oktober besiegelte Mercedes-Benz dann den Einkauf von Lithium beim deutsch-kanadischen Start-up Rock Tech Lithium.

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