
Die Rente mit 67 hat für Ökonomen ausgedient
n-tv
Die Debatte um die Rente mit 70 verschärft sich. Während Ökonomen vor einer massiven Finanzierungslücke durch die Babyboomer warnen, bleibt die Frage der sozialen Umsetzbarkeit offen. Experten fordern nun flexible Modelle und bessere Anreize, um das Rentensystem langfristig vor dem Kollaps zu bewahren.
Die Debatte um die Rente mit 70 verschärft sich. Während Ökonomen vor einer massiven Finanzierungslücke durch die Babyboomer warnen, bleibt die Frage der sozialen Umsetzbarkeit offen. Experten fordern nun flexible Modelle und bessere Anreize, um das Rentensystem langfristig vor dem Kollaps zu bewahren.
Die Rentenkommission der Bundesregierung will einem Zeitungsbericht zufolge über eine Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre beraten. Beim nächsten Treffen des 13-köpfigen Expertengremiums am 23. Februar solle diskutiert werden, wie eine mögliche Ausweitung erfolgen könnte, berichtet die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf Kommissionskreise. Während eine solche Maßnahme bei Arbeitnehmern nur auf wenig Verständnis treffen dürfte, sind sich Ökonomen einig: Angesichts einer alternden Bevölkerung führt kein Weg daran vorbei, das Renteneintrittsalter auf den Prüfstand zu stellen.
Für den Arbeitsmarktökonomen Holger Schäfer vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) kommt die Idee der Rentenkommission allerdings um Jahre zu spät. Das Problem: Geburtenstarke Jahrgänge, die das Rentenalter erreichen, können nicht annähernd durch nachrückende Jahrgänge ersetzt werden. "Dieser Prozess ist bereits im Gange und erreicht 2030 seinen Höhepunkt. Für eine Anhebung des Renteneintrittsalters als Lösung für die Babyboomer-Problematik ist es damit eigentlich schon zu spät", sagt Schäfer auf Anfrage von ntv.de. Allein die Übergangszeit der Anhebung von 65 auf 67 Jahre habe über 20 Jahre gedauert. "Das heißt allerdings nicht, dass man auf den Schritt verzichten sollte", sagt Schäfer.
Einen etwas anderen Fokus setzt Dominik Groll vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). Er hält die Diskussion für richtig, sieht die Lösung jedoch nicht in einer starren Rente mit 70. "Solange die Lebenserwartung steigt, ist jede Erhöhung des Renteneintrittsalters nur eine vorübergehende Lösung. Deswegen wäre es sinnvoll, das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung zu koppeln", sagt Groll auf Anfrage von ntv.de.
Hintergrund dieser Forderung sind zwei Probleme, die durch eine weiter steigende Lebenserwartung bei gleichzeitig fixem Renteneintrittsalter entstehen würden. Zum einen beziehen Rentner immer länger ihre Rente. So habe sich die durchschnittliche Bezugsdauer in den vergangenen 50 Jahren von 10 auf 20 Jahre verdoppelt. "Das belastet die Rentenversicherung, was ohne Anpassung des Renteneintrittsalters zu weiter steigenden Rentenbeiträgen der Arbeitnehmer oder zu einem weiter sinkenden Rentenniveau führt", sagt Groll. Zum anderen führe es zu einem Arbeitskräftemangel, weil ein immer größerer Teil der Bevölkerung nicht erwerbstätig ist.

Die Debatte um die Rente mit 70 verschärft sich. Während Ökonomen vor einer massiven Finanzierungslücke durch die Babyboomer warnen, bleibt die Frage der sozialen Umsetzbarkeit offen. Experten fordern nun flexible Modelle und bessere Anreize, um das Rentensystem langfristig vor dem Kollaps zu bewahren.












