
Stammt der älteste Vorfahr des Menschen vom Balkan?
n-tv
Ein Knochenfund aus Bulgarien könnte die Geschichte der Menschheit neu schreiben. Der 7,2 Millionen Jahre alte Oberschenkel deutet auf den ältesten aufrecht gehenden Vorfahren hin. Forscher sehen darin ein mögliches "fehlendes Bindeglied" der Evolution.
Ein Knochenfund aus Bulgarien könnte die Geschichte der Menschheit neu schreiben. Der 7,2 Millionen Jahre alte Oberschenkel deutet auf den ältesten aufrecht gehenden Vorfahren hin. Forscher sehen darin ein mögliches "fehlendes Bindeglied" der Evolution.
Der aufrechte Gang, also das Gehen auf zwei Beinen, gilt seit Langem als grundlegende Schwelle in der menschlichen Evolution und als eines der prägendsten Merkmale des Menschen. Bislang waren Forscher davon ausgegangen, dass die ersten fossilen Menschen aus Afrika stammten und sich der aufrechte Gang dort vor etwa sechs Millionen Jahren entwickelt hatte. Doch ein neuer Fund in Bulgarien könnte diese verbreitete Annahme infrage stellen.
Ein Oberschenkelknochen aus der Grabungsstelle Azmaka nahe der Kleinstadt Chirpan weist laut einer neuen Studie unverkennbare Merkmale eines menschlichen Vorfahren auf, der bereits auf zwei Beinen lief. Allerdings ist dieser Fund mehr als sieben Millionen Jahre alt, also älter als die bisher bekannten Funde aus Afrika. Die aktuelle Studie wurde im Fachmagazin "Palaeodiversity and Palaeoenvironments" veröffentlicht.
"Mit einem Alter von 7,2 Millionen Jahren könnte dieser Vorfahr, den wir der Gattung Graecopithecus zuordnen, der älteste bekannte Mensch sein", sagt David Begun von der Universität Toronto, einer der Studienautoren, laut einer Mitteilung der an der Forschung beteiligten Universität Tübingen. Der erste Fund eines Exemplars von Graecopithecus, ein Unterkiefer, wurde an einer Fundstelle in der Nähe von Athen entdeckt. Bereits 2017 untersuchte das Forschungsteam diesen Fund und schloss daraus, dass die Form der Zahnwurzeln für einen Vertreter der menschlichen Linie spreche.
Doch eine Zweibeinigkeit des Graecopithecus ließ sich aus dem Unterkiefer nicht herleiten. Der neu entdeckte Oberschenkel aus Azmaka ändert nun die Datenlage entscheidend. Eine Reihe von äußeren und inneren morphologischen Merkmalen wiesen Ähnlichkeiten mit zweibeinigen fossilen Menschenvorläufern und Menschen auf, sagt Studienautor Nikolai Spassov vom bulgarischen Nationalmuseum für Naturgeschichte. Der Knochen stammt von einem etwa 24 Kilogramm schweren, wahrscheinlich weiblichen Individuum, vermuten die Forscher.













