
Holzpflock in uraltem Ochsenschädel gibt Rätsel auf
n-tv
In der Nähe des ältesten Grabes Norddeutschlands machen Forscher eine rätselhafte Entdeckung: Ein 10.500 Jahre alter Schädel eines Auerochsen wurde offenbar gezielt aufgespießt. Doch es gibt eine Vermutung, welchem Zweck das unheimliche Ritual diente.
In der Nähe des ältesten Grabes Norddeutschlands machen Forscher eine rätselhafte Entdeckung: Ein 10.500 Jahre alter Schädel eines Auerochsen wurde offenbar gezielt aufgespießt. Doch es gibt eine Vermutung, welchem Zweck das unheimliche Ritual diente.
Ein rund 10.500 Jahre alter Auerochsenschädel aus dem Duvenseer Moor lässt Archäologen rätseln. Bei genaueren Untersuchungen des Fundes aus dem Sommer 2025 wurde der Rest eines Pflocks aus Kiefernholz gefunden, sagt Harald Lübke, Wissenschaftler am Leibniz-Zentrum für Archäologie (LEIZA), Standort Schleswig. Der Fund war nur wenige Meter entfernt von einer zwischen 2022 und 2023 freigelegten und mehr als 10.500 Jahre alten Brandbestattung gemacht worden - dem ältesten bekannten Grab Norddeutschlands.
Auerochsen seien als Jagdbeute in dieser Zeit zwar bereits häufiger nachgewiesen worden, sagt Lübke. "Auffällig ist, dass der Lüchower Schädel nicht weiter zerlegt wurde, sondern stattdessen auf einem Holzpflock aufgespießt war."
Der Forscher sieht in dieser Sonderbehandlung ein klares Indiz dafür, dass der Schädel nahe der Brandbestattung im Rahmen ritueller Handlungen aufgestellt wurde: "Wir wissen heute, dass die damaligen Jäger und Sammler ihre verstorbenen Klanmitglieder verbrannt und den Leichenbrand zusammen mit den darüber aufgehäufelten Resten des Scheiterhaufens beigesetzt haben, so dass die Bestattung noch längere Zeit offen sichtbar gewesen sein muss."
Zusätzlich sei die Bestattung offenbar mit auf Holzpfosten aufgespießten Tierschädeln umstellt worden, sagt Lübke. "Wahrscheinlich, um den Bestatteten durch ein animistisch-totemistisches Bestattungsritual zusätzlichen Schutz zu gewähren." Diese Totenriten basierten auf dem Glauben, dass alle Dinge - Lebewesen, Pflanzen, unbelebte Objekte und Naturerscheinungen - beseelt seien (Animismus) und dass eine spirituelle Verwandtschaft zwischen einer Menschengruppe und bestimmten Tieren, Pflanzen oder Naturphänomenen bestehe (Totemismus).













