
Schlafexperten sehen Frühaufsteher-Trend kritisch
n-tv
Wer lieber länger schläft, wird angesichts dieses Social-Media- und Coaching-Trends wohl nur ungläubig den Kopf schütteln: Sehr frühes Aufstehen soll angeblich der Schlüssel zu einem erfüllten Leben sein. Doch dieses Trend-Rezept kann zum Gesundheitsrisiko werden.
Wer lieber länger schläft, wird angesichts dieses Social-Media- und Coaching-Trends wohl nur ungläubig den Kopf schütteln: Sehr frühes Aufstehen soll angeblich der Schlüssel zu einem erfüllten Leben sein. Doch dieses Trend-Rezept kann zum Gesundheitsrisiko werden.
Um 5 Uhr aufstehen, eine Runde Sport machen und dann zur Arbeit gehen: Ist das das Erfolgsrezept für effektiv genutzte Lebenszeit? Laut zahlreichen Social-Media-Trends und Coachingbüchern soll das frühe Aufstehen zu einem effizienteren und erfolgreicheren Leben verhelfen. Schlafexperten merken allerdings an, dass dieser Ansatz viele wichtige Faktoren unbeachtet lässt. Denn nicht jeder Mensch ist ein Frühaufsteher.
"Diese ganze Bewegung beruht eigentlich auf der Annahme, dass früher Aufstehen Disziplin erzeugt und dass die Disziplin automatisch zum Erfolg führt", sagt der Schlafpsychologe Günther Amann-Jennson aus Frastanz im österreichischen Bundesland Vorarlberg. Doch der Denkfehler sei, Disziplin über die Biologie zu stellen. Denn Schlaf folge ganz eindeutig biologischen Gesetzen, und jeder Mensch habe eine genetische innere Uhr - das sei nicht zu ändern.
Grundsätzlich unterscheide die Forschung zwischen Tag- und Nachtmenschen. "Die Lerchen stehen in der Früh gerne auf, die haben nach dem Aufstehen gleich Appetit und die sind geistig und körperlich in der Früh leistungsfähig", erklärt die Neurologin Birgit Högl von der Medizinischen Universität Innsbruck. "Die Eulen schlafen gerne ein bisschen länger und sind dann am Nachmittag auf ihrem geistigen Höhepunkt."
Frühes Aufstehen sei nicht immer mit dem Alltag und der empfohlenen Schlafzeit von sieben bis neun Stunden vereinbar, so Högl. Wer also um 5 Uhr aufstehen wolle, müsste gegen 21 Uhr ins Bett. "Für Frühmenschen, die gerne früh ins Bett gehen, mag das eine Option sein, wenn man die Gesamtschlafdauer berücksichtigen kann, aber für Abendmenschen nicht."













