
Epibatidin - Was ist das für ein Gift, das Nawalny tötete?
n-tv
Der russische Regimegegner Nawalny wird nach Ansicht von fünf europäischen Staaten vergiftet. Dafür soll die Substanz Epibatidin genutzt worden sein. Was ist über das hochwirksame Gift bekannt?
Der russische Regimegegner Nawalny wird nach Ansicht von fünf europäischen Staaten vergiftet. Dafür soll die Substanz Epibatidin genutzt worden sein. Was ist über das hochwirksame Gift bekannt?
Deutschland und vier weitere europäische Länder halten es für sehr wahrscheinlich, dass der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny 2024 mit einem tödlichen Toxin vergiftet wurde. Analysen von Proben aus Nawalnys Körper hätten "eindeutig" das Vorhandensein der hochgiftigen Substanz Epibatidin nachgewiesen, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung des Vereinigten Königreichs, Schwedens, Frankreichs, Deutschlands und den Niederlanden.
Was ist Epibatidin? Es wurde in den 1970er Jahren erstmals in der Haut des ecuadorianischen Giftfrosches Dreistreifen-Baumsteiger (Epipedobates tricolor) gewonnen und kommt auch bei anderen Fröschen der Gattung Epipedobates vor. Forscher glauben, dass die Frösche den Stoff nicht selbst herstellen, sondern über ihre Insekten-Ernährung aufnehmen und dann in ihrer Haut einlagern. Von indigenen Stämmen wird es für Jagdpfeile verwendet.
In Russland kommt das Gift in der Natur nicht vor, allerdings kann es auch im Labor hergestellt werden. Epibatidin und verwandte Substanzen sind Gegenstand von Forschungen zu neuartigen Schmerzmitteln. Denn Epibatidin wird eine 100- bis 200-mal höhere schmerzstillende Wirkung als Morphium nachgesagt.
Epibatidin wirkt auf den menschlichen Organismus, indem es die Nervenaktivität hemmt, erklärt Alastair Hay, emeritierter Professor für Umwelttoxikologie an der Universität Leeds, gegenüber dem "Guardian". Es blockiere die Nikotinrezeptoren im zentralen und peripheren Nervensystem: "Die Blockierung dieser Rezeptoren führt zu einer Lähmung der Muskeln und des Atmungssystems", so Hay. Eine vergiftete Person sterbe durch Ersticken. Zu den Symptomen zählen Krampfanfälle, Bluthochdruck und Muskelparalyse, schreiben die US‑amerikanischen National Institutes of Health (NIH) in einem Beitrag. Das Vorhandensein des Giftstoffs im Blut einer Person deute auf eine absichtliche Verabreichung hin, sagt Hay.













