
Warum wir uns nicht besser gegen Erkältungen schützen
n-tv
Die Zahl der Atemwegserkrankungen ist hoch, aber normal für diese Jahreszeit. Trotzdem ließe sich das Ausmaß der Erkältungswellen beeinflussen. Wir müssten nur die Möglichkeiten nutzen, sagt der Präventionsforscher Hajo Zeeb.
Die Zahl der Atemwegserkrankungen ist hoch, aber normal für diese Jahreszeit. Trotzdem ließe sich das Ausmaß der Erkältungswellen beeinflussen. Wir müssten nur die Möglichkeiten nutzen, sagt der Präventionsforscher Hajo Zeeb.
Die Debatte über den deutschen Krankenstand entgleist schnell ins Emotionale. Wer die Zahl der Krankmeldungen thematisiert, steht im Verdacht, der Bevölkerung Faulheit zu unterstellen. Dabei werden vermutlich alle, die schon mal krank waren oder es gerade sind, zustimmen: Jede Erkrankung ist eine zu viel. Mit Blick auf die aktuelle Erkältungssaison könnte man also fragen, ob sich das Infektionsrisiko nicht durch einfache Maßnahmen reduzieren ließe.
Die Zahl der Atemwegserkrankungen ist seit Jahresbeginn deutlich gestiegen, das Robert Koch-Institut (RKI) attestiert ein hohes Niveau. Besonders Influenza-Viren treiben das Geschehen. Auch die im Abwasser gemessene Last des RSV-Erregers steigt. Dennoch wirkt die Einordnung des RKI beruhigend: Die Aktivität akuter Erkrankungen liege auf einem saisonal üblichen Stand, heißt es. Das klingt fast nach Tradition - und so, als sei dagegen nichts auszurichten.
"Weil wir dieses saisonale Auftreten von Influenza und anderen Viren über Jahrzehnte beobachtet haben, hat es eine gewisse Normalität", sagt Hajo Zeeb, Leiter der Abteilung Prävention und Evaluation am Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie, zu ntv.de. "Trotzdem ist diese Normalität nicht gottgegeben, wir können das Ausmaß beeinflussen: Es gibt sehr viele Möglichkeiten, sich zu schützen."
Für mehr als die Hälfte der Atemwegsinfekte sind aktuell Influenza-Viren verantwortlich. Eine präventive und wirksame Maßnahme ist die Grippeschutzimpfung. Internationalen Studien zufolge senkt sie das Risiko einer Ansteckung im Schnitt um rund 50 Prozent, in jüngeren Altersgruppen sogar um bis zu 80 Prozent. Während der Corona-Pandemie stieg die Quote der Grippeimpfungen im Winter 2020/2021 bei Personen über 60 Jahren in Deutschland auf 47,3 Prozent an, 2024/2025 fiel sie mit 34,5 Prozent sogar unter das Vor-Pandemie-Niveau. Die WHO empfiehlt für diese Gruppe eine Quote von 75 Prozent.













