Hoher Konsum von Antidepressiva in Portugal
ZDF
Antidepressiva häufig erste, schnelle Lösung bei Depressionen: Portugal will mit psychotherapeutische Beratungsangebote ausbauen.
Der Konsum von Anti-Depressiva hat in Portugal stark zugenommen. Er liegt durchschnittlich deutlich höher als in Deutschland. Das staatliche Gesundheitssystem sucht nach Lösungen. Ihre erste schwere Depression hat bei Manuela Cipriano tiefe Spuren hinterlassen. Vor rund 25 Jahren wurde die 53-Jährige nach einer psychischen Krise in ein staatliches Krankenhaus in Lissabon eingeliefert. Als sie nachts rastlos über die Flure wanderte, zerrten sie ein paar Pfleger zurück ins Zimmer und fesselten sie mit Bändern ans Bett. Eine Psychiaterin diagnostizierte eine bipolare Störung. Cipriano wurden Antidepressiva verschrieben. Bis heute nimmt sie täglich fünf verschiedene Medikamente, um ihre Krankheit unter Kontrolle zu bekommen. Manuela Cipriano hat trotz der hohen Kosten bei einer privaten Psychologin eine Gesprächstherapie begonnen. Denn im staatlichen Gesundheitssystem hat man sich darum nicht gekümmert: In Portugal ist das staatliche Gesundheitssystem für die Bewohner kostenfrei. Die Finanzierung läuft über den Staatshaushalt, doch der Sektor ist seit Jahren unterfinanziert. Aus dem EU-Corona-Wiederaufbau-Fonds hat Portugal 88 Millionen Euro in die Reform des staatlichen Bereichs "Psychische Gesundheit" gesteckt. Das zeige den Willen der Regierung, neue Lösungen zu schaffen, sagt der Koordinator im Gesundheitsministerium, Miguel Xavier, der ZDFheute: "Wir haben trotzdem nicht die nötigen Mittel, um genügend geschulte Mitarbeiter einzustellen und in die Teams zu integrieren." Psychologen und Therapeuten gibt es eigentlich genügend in Portugal, allerdings arbeiten sie vor allem im privaten Sektor. Viele Bürger schließen mittlerweile private Krankenversicherungen ab, um neben dem kostenfreien staatlichen Gesundheitssystem weitere Leistungen der privaten Gesundheitsversorgung nutzen zu können. Doch diese Krankenversicherungen zahlen für eine psychotherapeutische Behandlung in den meisten Fällen keine Zuschüsse. "Die Kosten für eine wöchentliche Therapie über einen längeren Zeitraum sind für die meisten portugiesischen Familien unerschwinglich, sodass sie letztendlich eher auf medikamentöse Therapien zurückgreifen", sagt Rita Molinar, Ärztin und Leiterin eines Gesundheitszentrums in Lissabon. Die Zentren sind in der Regel die erste Anlaufstation für psychisch kranke Patienten. Die Hausärzte verschreiben die Antidepressiva, um eine erste, schnelle Lösung zu finden. Doch dabei bleibt es meistens.













