
"Wir sind am Leben": Wer hier nicht heult, dem ist nicht zu helfen
n-tv
Das Premierenpublikum klatscht bereits ekstatisch, bevor auch nur eine Note gesungen und ein Wort gesprochen wurde. Die Erwartungen an Peter Plates und Ulf Leo Sommers neues Musical "Wir sind am Leben" in Berlin sind riesig. Vorfreudig. Und berechtigt. Ob sie erfüllt werden?
Das Premierenpublikum klatscht bereits ekstatisch, bevor auch nur eine Note gesungen und ein Wort gesprochen wurde. Die Erwartungen an Peter Plates und Ulf Leo Sommers neues Musical "Wir sind am Leben" in Berlin sind riesig. Vorfreudig. Und berechtigt. Ob sie erfüllt werden?
"Wir sind am Leben" lässt die schrill-alternative Szene der 90er in Berlin aufleben - und sorgt beim Publikum für Lachen, Tränen, Gänsehaut. Auch bei der Autorin dieses Textes, die überhaupt kein Musical-Fan ist. Erstaunt stellt sie in der Pause fest, dass sie denen, die nicht mindestens genauso begeistert sind wie sie selbst, versucht, das Stück zu erklären. "Du bist zu jung" oder "Du bist nicht aus Berlin" gilt dabei nicht, denn das, was Plate und Sommer liefern, funktioniert auch, ohne dabei oder betroffen gewesen zu sein. Das Berlin der Wende ist endlich wieder im Fokus, da kommen Gefühle hoch, und wer da nix spürt, der spürt auch sonst vielleicht nicht viel. "Findest du nicht, dass es zu sehr in einer Bubble spielt?", fragt mich eine andere Journalistin. Ich verneine. "Bubble" ja, aber "zu sehr" nein.
Diese Bubble ist zu großen Teilen schwul oder lesbisch, sie ist zu großen Teilen Berlin, sie ist Wende, sie ist Aufbruch, Umbruch. Die Bubble bedeutet aber auch den Beginn von Aids, die Angst davor, das Sterben daran, Hausbesetzung und Räumung, freie Liebe, trotzdem Eifersucht, und sie bedeutet den Beginn von einem Traum, von dem wir heute wissen, dass er an ein paar Stellen leider nicht so gut funktioniert hat, wie wir uns das damals gewünscht haben.
Das Publikum - musicalerfahren. Man trägt Glitzer, Paillette, "big hair", es wird viel gekichert, die üblichen Verdächtigen erscheinen: unter den Premierengästen der Regierende Bürgermeister Kai Wegner mit seiner Partnerin, Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch, der ehemalige Amtsinhaber Klaus Wowereit, dem eine Rolle im Stück gewidmet ist - genau wie Eislaufstar Katarina Witt. Die frühere Kulturstaatsministerin Claudia Roth ist ebenfalls da, und auch Regisseur Detlev Buck und Sänger Max Raabe lassen sich das Spektakel nicht entgehen.
Katy Karrenbauer kommt vor Anfragen nach gemeinsamen Selfies mit Fans kaum ins Theater. Und alle bleiben bis zum Schluss und stürzen sich am Ende noch ins Getümmel der After-Show-Party. Berührungsängste gleich null. Nur echte Langweiler machen Wegner gegenüber noch Tennis-Witze und nur absolute Spießer (von denen kaum welche da gewesen sein dürften) glotzen Männer in Frauenklamotten länger als nötig mit offenem Mund an.

Nelly hat ein wunderbares Leben: Ihr Mann sorgt dafür, dass Frau und Kinder es gut haben. Nelly sorgt dafür, dass alles schön sauber ist. Eines Tages zerbricht das Idyll, Abgründe tun sich auf. Hält die Familie das durch? Amelie Fried spricht mit ntv.de über alte Rollenbilder, die nie wieder en vogue sein sollten.












