
Sophie Passmann erklärt Instagram zum lukrativen Kriegsgebiet
n-tv
Warum wollen Millionen Frauen, dass ihr Gesicht glänzt wie ein Donut? Wie romantisiert man seinen Alltag? Und warum? Sophie Passmann schreibt über die Obsessionen in sozialen Netzwerken. Das soll eine ganze Generation beschreiben - lässt jedoch vor allem in die Gefühlswelt der Autorin blicken.
Warum wollen Millionen Frauen, dass ihr Gesicht glänzt wie ein Donut? Wie romantisiert man seinen Alltag? Und warum? Sophie Passmann schreibt über die Obsessionen in sozialen Netzwerken. Das soll eine ganze Generation beschreiben - lässt jedoch vor allem in die Gefühlswelt der Autorin blicken.
"Schade, das hat nichts mehr mit Natürlichkeit zu tun." So lautet das Urteil über Sophie Passmanns Auftritt bei der diesjährigen Berlinale. Verkündet wurde es in der Kommentarspalte auf Instagram - direkt unter Fotos der Autorin im schwarzen Abendkleid und mit einem Make-up, für das sich ihre Visagistin "einen Wolf geschminkt" hat. Passmann löscht die Kommentare, hinter denen sie "ältere Frauen, die unzufrieden mit sich selbst sind" vermutet. Und sie sieht sich zu einer Stellungnahme auf Tiktok gezwungen: Wenn es einen falschen Ort für Authentizität gibt, so die Autorin, dann ist es ein roter Teppich. Kurz darauf entfernt sie das Video wieder aus ihrem Feed und berichtet in ihrem Podcast über Kleid, Make-up, Urteil und gelöschte Stellungnahme.
Dieser digitale Bohei um einen einzigen Auftritt, vor allem die ins Internet geschmierten Worte einer Passmann und der Welt völlig unbekannten Person, könnten - so der erste Impuls - kaum banaler und belangloser sein. Nun, das Gegenteil ist der Fall. Das zumindest drängt sich Hörerinnen und Hörern auf, die Passmanns neues Buch "Wie kann sie nur?" einige Minuten haben sacken lassen.
Passmann schreibt über Frauen im Internet, oder genauer: über ihre Selbstdarstellung und Selbstvermarktung - und über die Aufmerksamkeit, die Bewunderung und den Hass, die ihnen im Tausch für den oft omnipräsenten Einblick in ihr Leben entgegenschlagen. Wie die Jury im einzelnen Fall - einem Reel, einer Story, einem Bild - urteilt, ist, so Passmann, russisch Roulette. Es gibt keine Rocklänge, keine Menge an Botox, kein Gewicht, mit der oder dem Frauen sicher sind. Die Bewertung hängt immer vom Zeitgeist ab und vom Durchschnitt der Menschen, die sich zufällig in der Kommentarspalte tummeln. Damit hat jedes Partyfoto, jede gepostete teure Handtasche, jedes Selfie von der Reise ohne Kind Potenzial zum Schuldspruch. "Es gibt keine Safezone, alles ist Krieg."
Allerdings eben ein äußerst lukrativer. Das weiß in Deutschland kaum eine besser als Passmann selbst. Die 32-Jährige verdient ihr Geld mit Büchern, Fernsehsendungen, Podcasts und seit wenigen Tagen als Botschafterin der Make-up-Marke Mac. Passmann gehört zu jenen Frauen, deren Omnipräsenz im Internet nicht nur Krieg bedeutet, sondern auch die Miete zahlt. Sie sind Verurteilte, Profitierende, Jury und Publikum zugleich - eine von der Autorin herausgearbeitete Vielschichtigkeit, die dieses Essay von gebetsmühlenartigen Debatten über Hasskommentare und Gefahren von Social Media unterscheidet.

Judith Hoersch ist Schauspielerin. Mit "Niemands Töchter" ist ihr ein Hit gelungen. Und das, obwohl sie zwischen Bayern und Berlin pendelt, eine kleine Tochter hat und sehr viel arbeitet. Hoersch spielt die Hebamme "Lena Lorenz" in einer erfolgreichen Serie, in der es ums Kinderkriegen und -haben geht. Genau wie in ihrem ersten Roman.












