
Viren springen ohne besondere Mutationen auf Menschen über
n-tv
Eine neue Studie stellt eine zentrale Annahme infrage: Viele gefährliche Viren waren vor ihrem Sprung auf den Menschen doch nicht auffällig und zeigten keine besonderen Mutationen. Somit liegt das eigentliche Risiko für Pandemien ganz woanders.
Eine neue Studie stellt eine zentrale Annahme infrage: Viele gefährliche Viren waren vor ihrem Sprung auf den Menschen doch nicht auffällig und zeigten keine besonderen Mutationen. Somit liegt das eigentliche Risiko für Pandemien ganz woanders.
Sind Pandemien immer das Werk von besonders aggressiven Erregern? Eine neue Studie, die im Fachjournal "Cell" veröffentlicht wurde, stellt diese Vorstellung infrage: Viele der Viren, die zuletzt große Ausbrüche ausgelöst haben, waren vor ihrem Sprung auf den Menschen offenbar genetisch unauffällig, heißt es darin. Entscheidend ist laut den Forschenden etwas anderes - nämlich, wie häufig Menschen mit ihnen in Kontakt kommen.
Das Team um den Mediziner Joel Wertheim von der University of California analysierte die Entwicklung verschiedener Krankheitserreger, darunter Influenza A, Ebola, Marburg, Mpox sowie die Coronaviren SARS-CoV und SARS-CoV-2. Dabei zeigte sich: Vor dem sogenannten Spillover - also dem Übergang vom Tier auf den Menschen - gab es keine auffälligen evolutionären Anpassungen. "Aus evolutionsbiologischer Sicht finden wir keine Hinweise darauf, dass SARS-CoV-2 vor seinem Auftreten im Labor oder in einem Zwischenwirt gezielt angepasst wurde", sagt Wertheim laut Mitteilung der Uni.
Das widerspricht einer verbreiteten Annahme: Bisher ging man davon aus, dass Viren erst durch spezielle Mutationen in der Lage sind, Menschen zu infizieren und sich unter ihnen zu verbreiten. Die neue Analyse legt jedoch nahe, dass viele Viren diese Fähigkeit bereits besitzen. "Unsere Ergebnisse stellen die Vorstellung infrage, dass Pandemieviren vor ihrem Übergang auf den Menschen evolutionär besonders sind", so Wertheim. Entscheidend sei vielmehr die Exposition: "Was am meisten zählt, ist der Kontakt des Menschen mit einer Vielzahl tierischer Viren."
Damit rückt der Mensch selbst stärker in den Fokus. Faktoren wie intensive Tierhaltung, das Vordringen in natürliche Lebensräume oder der Handel mit Wildtieren erhöhen demnach die Wahrscheinlichkeit solcher Übersprünge erheblich. Pandemien entstehen laut Forschungsteam weniger durch seltene genetische Zufälle, sondern durch Bedingungen, die der Mensch selbst schafft.













