
"Minireaktoren sind technisch gesehen zu klein, ineffizient und teuer"
n-tv
Die Politik steht auf Mini-Atomreaktoren. Sie möchte etliche Milliarden Euro in die SMR-Technologie investieren. Tatsache ist: Auch nach jahrzehntelanger Forschung sind effiziente Minireaktoren Hoffnung, keine Realität. "Das hat technische Gründe", sagt ein Ingenieur im Interview.
Ursula von der Leyen setzt auf moderne Mini-Atomreaktoren. Markus Söder auch. Die USA ohnehin. Die Politik möchte etliche Milliarden Euro und Dollar in SMR investieren. Tatsache bleibt: Auch nach jahrzehntelanger Forschung sind effiziente Minireaktoren nur Wunschtraum, keine Realität. "Das hat technische Gründe", sagt Leonhard Gandhi vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) im "Klima-Labor" von ntv. "Kleine Reaktoren brennen Kernbrennstoff schlechter ab. Deswegen sind SMR per se deutlich teurer als große Anlagen." Die Branche weiß ihm zufolge um ihre Ineffizienz, aber "scheitert krachend" mit allen Alternativen.
ntv.de: Was ist der Reiz an modernen Minireaktoren, den Small Modular Reactors oder auch SMR?
Leonhard Gandhi: Für günstige Kernkraft muss man standardisieren. Das ist lange bekannt. Das war in Deutschland mit der Konvoi-Baureihe geplant. Beim französischen Atomkraft-Hochlauf in den 1970er und 1980er Jahren hat das mit dem Messmer-Plan auch funktioniert. Selbst in Frankreich ist inzwischen aber nicht mehr vorstellbar, viele identische Atomkraftwerke zu bauen. Aktuell sind sechs neue AKW bis 2040 geplant.
Das reicht nicht für Kostensenkungen?
Die Anzahl ist zu gering. Man hofft, dass man die Kraftwerke als SMR kleiner bauen kann. Dann könnte man mehr gleiche Einheiten bauen und somit früher Kostensenkungspotenziale erreichen. Es gibt allerdings einen Grund dafür, warum bisher Großkraftwerke gebaut wurden. Das älteste, laufende Kernkraftwerk der Welt ist Beznau in Schweiz. Das wurde 1969 in Betrieb genommen und hat eine elektrische Leistung von 365 Megawatt pro Reaktorblock. Die Grenze von SMR und konventionellen Großreaktoren wird häufig bei 300 Megawatt gezogen. Einige neuere Konzepte überschreiten diese Grenze allerdings bewusst, weil größere Einheiten wirtschaftliche Vorteile bieten.













