Milchbars in Polen: Was sie so besonders macht
ZDF
Polnische Milchbars: Ein Relikt aus der Vergangenheit bleibt im Trend. Hausmannskost, Kantinenflair, subventionierte Preise. Was steckt dahinter?
Polnische Milchbars: Ein Relikt aus der Vergangenheit und doch im Trend - sie bleiben beliebt. Hausmannskost, Kantinenflair, subventionierte Preise. Was steht hinter dem Phänomen? Es sind keine Bars, es gibt keinen Alkohol, und Milch gibt es auch nicht überall - und doch heißen die Kultlokale in polnischen Städten Milchbars. Die Bar Prasowy ist die älteste noch bestehende in Warschau. Das Gebäude ist aus den 1950er-Jahren, im Warschau nach dem Wiederaufbau, nach der deutschen Zerstörung, nach sozialistischen Strukturen und Architektur. Der Boden, erklärt Milchbar-Wirt Kamil Hagemajer, sei genau wie damals. "Es nutzt sich auf natürliche Weise ab", so Kamil. Jüngere, Ältere und Familien - um die Mittagszeit brummt die Milchbar. Marianna aus Warschau ist Medizinstudentin und aktuell im Erasmus-Programm in Grenoble. Ihr erster Gang beim Heimaturlaub führt sie in die Milchbar, wo sie schon als Teenager regelmäßig saß. "Es ist nicht teuer", sagt sie, "und auch kein Fast Food, das bekanntlich nicht gesund ist. Es ist besser, eine wärmende Suppe zu essen." Gerade hat Marianna eine Tomatensuppe bestellt, eine Portion Piroggen und polnische Klöße. Dafür zahlt sie zusammen umgerechnet acht Euro. Man könne das einem Ausländer schwer erklären, meint Kunde Rafal. Er habe einen polnischen Magen und Bauch, sagt er. Daher seien polnische Gerichte sehr willkommen. Nebenan sitzt Rentner Franciszek, 86 Jahre alt. Er isst hier jeden Tag. "Früher war das Essen noch besser, aber für einen Rentner sind die Preise ermutigend", meint er. Krautwickel mit Soße kosten 4,50 Euro, die Portion Piroggen keine fünf Euro, Krautsalat 1,50 Euro. Die polnischen Milchbars entstanden vor 130 Jahren. Gutsbesitzer und Landwirte boten damals nur Vegetarisches aus Milch, Eiern und Mehl an, daher kommt der Name. Die Blütezeit war in der kommunistischen Volksrepublik Polen. Restaurants gab es kaum, und wenn, waren sie kaum erschwinglich für die Bürger. Die Milchbars waren staatlich subventioniert und sind es bis heute. Nur bei Fleischgerichten gibt es keine Zuschüsse.













