Prozess gegen "Antifa Ost": Luftküsse von der Anklagebank
ZDF
In Düsseldorf hat ein Prozess gegen Mitglieder der "Antifa Ost" begonnen. Es geht auch um die Frage, welche Gefahr von Linksextremisten ausgeht.
In Düsseldorf hat ein Verfahren gegen sechs mutmaßliche Mitglieder der "Antifa Ost" begonnen. Der Prozess wirft auch die Frage auf, welche Gefahren von Linksextremisten ausgehen. Es sind emotionale Szenen, die sich an diesem verregneten Dienstagmorgen in einem schmucklosen Gerichtssaal am Stadtrand von Düsseldorf abspielen. Die sechs Angeklagten, mutmaßliche Linksextremisten, sind erst am Morgen aus verschiedenen Haftanstalten in Nordrhein-Westfalen zu der Außenstelle des Oberlandesgerichts Düsseldorf gebracht worden. Eingerahmt von ihren Strafverteidigern sitzen sie auf der Anklagebank und warten auf den Prozessbeginn. Doch dann betreten zahlreiche Freunde, Familienmitglieder und Unterstützer den Gerichtssaal und nehmen - überwältigt von dem Anblick der Angeklagten - auf den Zuschauerbänken Platz, es wird geschrien, geweint und geklatscht. Schnell beginnen Sprechchöre wie "Free all Antifas" und "Ihr seid nicht allein". Vor dem Gerichtsgebäude findet zu den Klängen von Rio Reiser eine Demo statt. Den Angeklagten tut der Zuspruch sichtlich gut. Sie verteilen Luftküsse und winken immer wieder Freunden und Angehörigen zu, die sie im Zuschauerbereich erblicken. Eine der Beschuldigten zeigt stolz ihren wohl neuen Ehering - und erntet Jubel und Applaus. Die Vorwürfe, die die Bundesanwaltschaft erhebt, wiegen schwer. Die Angeklagten sollen brutale Angriffe auf mutmaßliche Neonazis verübt und dabei sogar den Tod ihrer Opfer in Kauf genommen haben: Fünf Frauen und ein Mann Anfang 20, die die Sicherheitsbehörden der militanten linksextremistischen Szene zurechnen. Am Oberlandesgericht verhandelt ein Staatsschutzsenat an voraussichtlich mehr als 70 Tagen über die Anklage der Bundesanwaltschaft. Sie wirft den Angeklagten unter anderem versuchten Mord vor. Als Teil der sogenannten "Antifa Ost" sollen sie im Februar 2023 in Budapest Personen ins Visier genommen haben, die sie verdächtigten, am sogenannten "Tag der Ehre" teilzunehmen. Einem Tag, zu dem Rechtsextremisten aus ganz Europa jedes Jahr in die ungarische Hauptstadt reisen.













