
Melanias Film erspinnt eine Traumwelt zum Fremdschämen
n-tv
Eine Doku ist "Melania" nicht. Sondern ein langer Werbestreifen, dessen Phrasendrescherei zum Fremdschämen zwingt. Die Widersprüche zwischen Melanias filmischer Traumwelt und der Realität sind überwältigend.
Eine Doku ist "Melania" nicht. Sondern ein langer Werbestreifen, dessen Phrasendrescherei zum Fremdschämen zwingt. Die Widersprüche zwischen Melanias filmischer Traumwelt und der Realität sind überwältigend.
Freitagmorgen um 10 Uhr im südlichen Manhattan. Neun Versprengte haben sich im Kinosaal am Fuße der Williamsburg Bridge zusammengefunden, um sich die erste Vorstellung des neuen Films der Trump-Regierung anzusehen: "Melania". Alle Zuschauer sind Journalisten. "Jeder will es wissen, hier ist die Antwort", werden die ersten Worte der First Lady aus den Lautsprechern sein, auf die Bilder von 20 Tagen aus dem Leben Melania Trumps folgen - die ersten Tage des Jahres 2025, bevor Donald zum zweiten Mal zum US-Präsidenten vereidigt wird.
Zunächst flimmert wie üblich Werbung für andere Filme über die Leinwand, danach beginnt das 104 Minuten lange Hauptwerk. Doch je länger Melania sich durch die Minuten lächelt und mit Voiceover die Aufnahmen von sich selbst mit patriotischen Floskeln und pathetischen Banalitäten kommentiert, desto eindeutiger wird: Melania versucht sich an einer Kinorevolution. Die Trailer davor werden die einzigen Filmszenen sein, die man zu sehen bekommt. Dieses Mal kommt die Werbung danach.
Werbung für sich und ihren Ehemann, für ihre Aufgaben in dessen Kosmos, ihre Talente, angeblich hehren Prinzipien und Ziele. Darin sind die Vereinigten Staaten eine Abfolge von Flügen zwischen Mar-a-Lago, New York und Washington, von unterwürfigen Schneidern und ihren Abendkleidern, verschiedenen High Heels, Sonnenbrillen hinter verdunkelten Limousinen-Fenstern, überladen mit patriotischer Phrasendrescherei, die den Film zu einem republikanischen Werbefilm, vielleicht sogar Propagandastreifen macht. Für die angebliche Doku der First Lady gab Amazon rund 75 Millionen Dollar aus, 28 Millionen davon flossen direkt in Melanias Tasche.
Die Zuschauer bekommen keine Konflikte zu sehen oder zu hören, sondern eine perfekte Traumwelt, die sich Melania als Produzentin selbst zusammengesponnen hat und wo sie die Geschicke der anderen mitlenkt. Eine Welt, wo sie etwa die Ehefrau einer israelischen Geisel trifft und ihr verspricht: Donald werde es nach Amtsantritt zu seiner Priorität machen, ihr zu helfen. In der sie sagt: "Kinder werden immer meine Priorität sein", und Brigitte Macron wie eine alte Freundin anruft, um darüber zu sprechen.

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