
Jim Jarmuschs zärtlich-skurrile Abrechnung mit der Familie
n-tv
In "Father Mother Sister Brother" erzählt Jim Jarmusch unterschiedliche Familienzusammenkünfte, die sich in ihrer Banalität und ihrer Unbeholfenheit ähnlich sind. Unklar bleibt, wie viele seiner eigenen Erfahrungen der Filmemacher einfließen ließ.
In "Father Mother Sister Brother" erzählt Jim Jarmusch unterschiedliche Familienzusammenkünfte, die sich in ihrer Banalität und ihrer Unbeholfenheit ähnlich sind. Unklar bleibt, wie viele seiner eigenen Erfahrungen der Filmemacher einfließen ließ.
Beinahe sieben Jahre liegt es zurück, dass mit "The Dead Don't Die" Jim Jarmuschs vorerst letzter Film in die Kinos kam. Eine Zombiegeschichte nach Jarmusch-Art mit Adam Driver in der Hauptrolle. Mit ihm gibt es in "Father Mother Sister Brother" nun ein Wiedersehen - und das ohne echte Zombies, dafür mit Protagonistinnen und Protagonisten, deren Gefühle ihren Familienmitgliedern gegenüber ähnlich verkümmert sind wie die jener Untoten.
In drei Episoden erzählt der inzwischen 73-jährige Jarmusch vom schwierigen Verhältnis zwischen erwachsenen Kindern und deren Eltern und wirft einen mal zärtlichen, mal ironischen Blick auf unterschiedliche Konstellationen. Dafür braucht es in seiner Welt recht wenig. Es reichen eine Wohnstube und zwei bis drei Verwandte, um das tragisch-komische Wesen der jeweiligen Familiendynamiken abzubilden.
Jeff (Adam Driver) und Emily (Mayim Bialik) sind gemeinsam auf dem Weg zu ihrem nur selten besuchten Vater, der fernab der Zivilisation lebt und von dem sie nur sehr wenig wissen. Auch die Geschwister haben sich über die Jahre entfremdet. Das bekommt der Zuschauer schon bei der längeren Autofahrt zum Haus ihres Erzeugers zu spüren. Kaum sind sie bei ihrem alten Herrn (Tom Waits) angekommen, wird es noch krampfiger. Das Bild, das der zauselige Mann abgibt, könnte nicht trostloser sein. Scheinbar mittellos fristet er in der Einsamkeit sein Single-Dasein und lässt sich immer mal wieder von seinen Kindern finanziell unter die Arme greifen. Ein richtiges Gespräch kommt mit ihnen nun aber kaum zustande, was der zerstreuten Art des augenscheinlich hilflosen Vaters und der Unbeholfenheit seiner Kinder geschuldet ist. Die wenigen Dialoge sind trocken, die Pointen sitzen. Unangenehmes Schweigen wird beispielsweise mit inhaltsleerem Geplauder über einen umso praller gefüllten Präsentkorb übertönt.
Ähnlich sprachlos ist auch das Verhältnis zwischen der Mutter (Charlotte Rampling) und ihren beiden sehr unterschiedlich geratenen Töchtern Lilith (Vicky Krieps) und Timothea (Cate Blanchett). Die eine der am Leben gescheiterte Wildfang der Familie, die andere das verspießte Mauerblümchen. Alle drei leben in Dublin, der gemeinsame Besuch bei der Mutter findet dennoch nur einmal im Jahr statt. Dann werden Kaffee, Kuchen und Oberflächlichkeiten aufgetischt und zwischen feinstem Gebäck und einem überdimensionierten Blumenstrauß Spitzfindigkeiten und Lebenslügen präsentiert. Vor allem Lilith gibt sich Mühe, den anderen vorzugaukeln, sie führe ein geregeltes Dasein. Alles in allem überwiegen auch in dieser Konstellation die komischen Momente, die sich ebenfalls aus der Unbeholfenheit der Protagonistinnen miteinander und der fehlenden Empathie untereinander ergeben.

Nelly hat ein wunderbares Leben: Ihr Mann sorgt dafür, dass Frau und Kinder es gut haben. Nelly sorgt dafür, dass alles schön sauber ist. Eines Tages zerbricht das Idyll, Abgründe tun sich auf. Hält die Familie das durch? Amelie Fried spricht mit ntv.de über alte Rollenbilder, die nie wieder en vogue sein sollten.












