Euro-Starterkit: Kleiner Beutel, großer Umbruch
ZDF
Das Euro-Starterkit steht für eine Zeit, in der Bargeld noch selbstverständlich war. Heute verändert mobiles Bezahlen den Alltag in der EU.
Vor 25 Jahren begann die Euro-Ära mit einem unscheinbaren Plastikbeutel. Heute ist das Starterkit ein Sammlerstück - und ein Symbol für eine Zeit, in der Bargeld noch König war. 17. Dezember 2001: In deutschen Bankfilialen bilden sich Schlangen. Nicht für Kredite, nicht für Aktien - sondern für kleine, versiegelte Tütchen. Inhalt: Münzen im Wert von 10,23 Euro. Preis: 20 D-Mark. Das Starterkit war geboren. Das allererste Euro-Bargeld gab es bereits vor dem großen Wechsel am 1. Januar 2002. Die bange Frage damals: "Werden sie reichen?" Die Antwort gab der Tag selbst: In vielen Orten sind die Tütchen bereits nach wenigen Stunden ausverkauft. Ein damaliger Bankmitarbeiter einer Kreissparkasse in Schleswig-Holstein erinnert sich: "Die Menschen wollten den Euro anfassen, bevor er offiziell kam." Das Starterkit sollte den Bürgerinnen und Bürgern den Übergang zur neuen Währung erleichtern und für mehr Akzeptanz werben. Denn die Einführung der Gemeinschaftswährung war mehr als ein technischer Akt - sie war ein psychologischer Kraftakt. Millionen Menschen mussten ihre gewohnte Währung aufgeben. Für die Deutschen war das besonders emotional, denn es hieß Abschied zu nehmen von einer Währung, die für den Aufstieg des Landes stand. Das Starterkit sollte also auch Vertrauen schaffen: echtes Geld zum Anfassen, zum Ausprobieren. Händler konnten Wechselgeld vorbereiten, Verbraucher die neuen Münzen kennenlernen. Ein Stück pädagogische Währungspolitik. 25 Jahre später sind die Starterkits Kult. Ungeöffnete Exemplare erzielen auf Online-Plattformen zwischen 12 und 22 Euro - seltene Kits aus Monaco oder dem Vatikan sogar ein Vielfaches. Für viele ist das Tütchen ein Symbol für europäische Integration und den Aufbruch in eine neue Ära. Ironischerweise steht das Bargeld heute selbst unter Druck. Kartenzahlungen und digitale Geldbörsen, sogenannte Wallets, dominieren den Alltag. In Deutschland sank der Anteil barer Transaktionen von rund 80 Prozent (2011) auf etwa 53 Prozent (2025).




