
"Drei Viertel der Deutschen hätten sofort mehr Geld in der Tasche"
n-tv
Deutschland ist ein Junkie. "Wir sind abhängig von fossilen Brennstoffen. Das macht der Iran-Krieg deutlich", sagt Bastian Gierull. Im "Klima-Labor" von ntv erklärt der Chef von Octopus Energy, wie er günstige Versorgungssicherheit herstellen würde. Ein Vorschlag: eine Strompreisobergrenze.
Deutschland ist ein Junkie. "Wir sind abhängig von fossilen Brennstoffen. Der Iran-Krieg macht deutlich: Nach der Energiekrise haben wir nur den Dealer ausgetauscht", sagt Octopus-Energy-Chef Bastian Gierull im "Klima-Labor" von ntv. Wie würde er die Sucht überwinden und möglichst günstige Versorgungssicherheit herstellen? Die Ansätze von Wirtschaftsministerin Reiche findet er nicht verkehrt, hält sie aber nur für Zwischenlösungen. "Es fehlt der nächste Schritt. Wir möchten den Ausbau der Erneuerbaren ja nicht einstellen", sagt Gierull. Ihm zufolge verfügt die Bundesregierung aber auch kurzfristig über Optionen, um Haushalte zu entlasten: Sie kann ihr Wahlversprechen einlösen und die Stromsteuer senken. Das macht E-Auto und Wärmepumpe automatisch attraktiver. Eine neue Studie empfiehlt außerdem eine Strompreisobergrenze für Bestandskunden: "Dann wird niemand mehr über den Tisch gezogen und muss 75 Cent pro Kilowattstunde zahlen."
ntv.de: Sind die steigenden Energiepreise durch den Iran-Krieg eine gute Nachricht für die Energiewende oder geht das zu weit?
Bastian Gierull: Krieg ist nie eine gute Nachricht für irgendjemanden, steigende Energiepreise auch nicht. Nicht für die Industrie. Nicht für die Verbraucher. Was der Krieg aber vier Jahre nach der Energiekrise erneut aufzeigt: Wir hängen wie Junkies an der Nadel der fossilen Brennstoffe - mit allem, was dazu gehört. Die Fossilen helfen uns nicht, eine lebenswertere Welt zu schaffen. Wir sind erpressbar und machtlos, wenn die Weltmarktpreise steigen. Eigentlich haben wir nur den Dealer getauscht. Der neue ist vertrauenswürdiger als der alte, aber wenn ich mir die Rhetorik und die Politik der USA anschaue, geht das nicht in eine Richtung, die einen demokratischen Staat beruhigen sollte.
Ist es fair, dass die Bundesregierung offenbar bereit ist, einzugreifen? Man kann argumentieren: Das ist der Markt. Ihr habt euch für Benziner, Diesel oder Gasheizung entschieden.
Energiefragen kann man teils privat entscheiden, der Großteil ist von der Politik getrieben. Sie stellt die Regeln auf. Welche Angebote gibt es? Wie hoch ist der Strompreis? Man sieht ja, dass auch die Strompreise durch den Iran einen Sprung nach oben gemacht haben, weil sie vom Gaspreis abhängen. Nicht so stark wie beim Ukraine-Krieg, aber sie haben sofort reagiert.

Der Anstieg der Öl- und Gaspreise fällt laut dem DIW deutlich geringer aus als nach dem russischen Angriff auf die Ukraine. Doch Autofahrer spüren den Iran-Krieg längst an der Tankstelle. Wie sehr er die deutsche Konjunktur belastet, bewerten Ökonomen unterschiedlich. Vor allem ein Punkt macht ihnen Sorgen.












