
Was tun gegen den Party-Wahnsinn auf dem Viktualienmarkt?
Süddeutsche Zeitung
Sabine Kroiß ist neue Vorsitzende der Standbetreiber. Auf sie kommen gewaltige Herausforderungen zu – nicht nur wegen des immer größeren Andrangs.
Die Standbetreiber auf dem Viktualienmarkt haben seit dieser Woche eine neue Sprecherin – zumindest jene, die der Interessengemeinschaft Viktualienmarkt e. V. (IGV) angehören: Auf Marco Stohr vom gleichnamigen Obst- und Gemüsestand folgt Sabine Kroiß von der Wildmetzgerei „Wilde Zeiten“ als erste Vereinsvorsitzende. Stohr rückt als ihr Stellvertreter nach drei Jahren bewusst an die zweite Stelle, es sei Zeit für ein „neues Gesicht“, sagt er. Und bei allen Herausforderungen, vor denen der Viktualienmarkt steht, ist sich Stohr sicher: „Wenn es jemand schafft, dann Sabine Kroiß.“
Kroiß betreibt ihren Stand in der Metzgerzeile gemeinsam mit ihrem Bruder seit Dezember 2020, auch Mitglied bei der IGV ist sie seitdem: Von Anfang an sei es ihr ein Anliegen gewesen zu verstehen, wie der Markt tickt und was die Menschen umtreibt, die dort arbeiten, sagt sie. In ihrer neuen Funktion als Vereinsvorsitzende sieht sie sich in den kommenden zwei Jahren als Vermittlerin „nach innen und nach außen“, sprich zwischen den Standbetreibern untereinander, aber auch im Austausch mit dem für den Viktualienmarkt zuständigen kommunalen Eigenbetrieb Märkte München sowie der Stadt.
Das dürfte, so viel wird in Gesprächen mit Kroiß, Stohr und dem neuen Schriftführer Georg Schlagbauer von der Metzgerei Westerberger Fullblood schnell klar, keine ganz leichte Aufgabe werden: Allein die Interessen der Standbetreiber sind so vielfältig und bunt wie ihr kulinarisches Angebot, es bleibt der ewige Spagat zwischen Tradition und Moderne. Und doch ist Kroiß, die im kommenden Jahr auch bei den Marktweibern mittanzen wird, überzeugt: „Der Markt kann nur als Gemeinschaft funktionieren.“
Erst recht jetzt, da er sich einmal mehr im Wandel befindet: vom „reinen Versorger- hin zu einem Genießermarkt“, wie Stohr es formuliert. In einem ersten Schritt möchte die neue Vorsitzende Kroiß deshalb herausfinden, welche unterschiedlichen Positionen es gibt, und diese im Idealfall in einer gemeinsamen Leitlinie zu einer gemeinsamen Position zusammenführen. Stohr findet das richtig: Es müssten alle Interessen berücksichtigt werden, nicht die von Einzelnen. Kroiß möchte deswegen auch mit jenen Standbetreibern das Gespräch suchen, die nicht Teil der IGV sind. Genaue Zahlen hat sie nicht parat, aber sie schätzt, dass ein Drittel der etwa 140 Standbetreiber kein Mitglied im Verein ist.
Ein großes Thema ist aktuell der riesige Andrang auf dem Markt – gerade an den Samstagen, wenn das Wetter schön ist. „An den ersten schönen Tagen im Jahr wird es auf dem Viktualienmarkt voll – danach kann man ein bisschen die Uhr stellen“, so diplomatisch formuliert es Kroiß. Wobei ihr klar ist: Sie, die durch die Lage ihrer Metzgerei etwas weniger betroffen ist, sieht das anders als ein Standbetreiber, der das Gefühl hat, seine Kundschaft kommt nicht mehr an den Stand, weil es zu voll ist.













