
Top-Torjäger soll kiloweise Drogen gedealt haben
Süddeutsche Zeitung
In seinem einen Leben schoss er Tore für einen Klub aus Haidhausen, in einem anderen war er mutmaßlich Teil eines internationalen Drogenrings: Der Fall eines 34-Jährigen wühlt den Münchner Amateurfußball auf – denn er könnte für den Verein schwerwiegende Folgen haben.
Ein ganz normaler Junge sei er gewesen – und eigentlich ein sehr netter, sagt Giuseppe Scialdone. Doch die Lügen seines Spielers erschüttern den Vorstand des Fußballvereins SpVgg 1906 Haidhausen. Denn eigentlich stimmte nichts von dem, was der Kicker über sich erzählt hatte. „Angeblich hatte er ein Fitnessstudio“, sagt Scialdone. Von den Drogengeschäften wusste niemand im Verein. Und die größte Lüge: Der Spieler hatte sich eine falsche Identität zugelegt.
Die Geschichte, die den Münchner Amateurfußball gerade aufwühlt, nahm ihre entscheidende Wendung abseits des Platzes: In der Constanze-Hallgarten-Straße in Obersendling wollten Zivilfahnder Anfang Dezember 2025 einen per Haftbefehl gesuchten Mann festnehmen. Der 34-Jährige versuchte, mit seinem Auto zu flüchten. Die Beamten versperrten ihm den Weg. Der Mann fuhr einfach weiter, die Polizisten schossen, der 34-Jährige wurde am Arm getroffen und festgenommen. Es war Scialdones Spieler.
Danach durchsuchten die Ermittler dessen Wohnung, sie fanden mehr als fünf Kilogramm Amphetamin und Methamphetamin. Zudem besaß der Mann mehrere scharfe Schusswaffen und gefälschte Papiere. Die Staatsanwaltschaft München bestätigt, dass gegen den 34-Jährigen wegen des Verdachts des versuchten Mordes und bewaffneten Handels mit Betäubungsmitteln ermittelt wird. Weitere Angaben macht die Behörde mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht.
Kurz nach der Festnahme kontaktiert die Polizei die SpVgg Haidhausen und den Bayerischen Fußballverband (BFV) und teilt ihnen mit, dass der Spieler nicht so heißt wie auf seinem Spielerpass angegeben. Der 34-Jährige, der zuvor auch beim FC Neuhadern und dem SV Aubing gespielt hatte, hatte sich 2018 offenbar mit gefälschtem Ausweis als Verbandsspieler registrieren lassen.
Für alle im Verein sei es ein Schock gewesen, sagt Scialdone – der 34-Jährige war ja einer von ihnen. Sie haben zusammen Siege gefeiert und Niederlagen verdaut. Sie sind mit seinem Auto zu Auswärtsspielen gefahren. Und dann stellt sich heraus: Der Mann ist nicht der, als der er sich ausgibt, sondern ist mutmaßlich Mitglied eines internationalen Drogenrings. „Wir sind aus allen Wolken gefallen“, sagt Scialdone. Der Vertrauensbruch ist das eine. Doch der Fall könnte für die Haidhauser auch noch zum Problem im Aufstiegsrennen in der Kreisliga 3 werden.













