
Auf der Suche nach der Luxusküche
Süddeutsche Zeitung
The Indian Room in München verspricht Fine-Dining-Erlebnisse. Die hohen Erwartungen aber sollte man auch erfüllen können.
Gibt es eigentlich indisches Fine Dining? Über diese Frage ließe sich zumindest diskutieren, weil die meisten Gerichte in Indiens Gastronomie eher aus der Alltagsküche stammen oder schon lange von der unermüdlichen Streetfoodkultur vereinnahmt worden sind. Dazu kommen einige Restaurants mit Gourmetanspruch, die meist zur Luxushotellerie gehören, oft international ausgerichtet und selbst in Metropolen wie Delhi oder Mumbai rar gesät sind.
Die große – auch in Familien oft durchaus gehobene – indische Esskultur schien lange weitgehend ohne berühmte Avantgarde-Köche, klassische Fine-Dining-Szene und internationale Gastroführer auszukommen. Und die weltweit vielleicht zehn indischen Sternerestaurants liegen im Ausland – in Bangkok oder Dubai, New York oder London – aber ganz sicher nicht in München.
Da ist es interessant, dass vor gut zwei Jahren in Schwabing ein Restaurant mit dem Anspruch eröffnet hat, die indische Gourmetkultur in die Stadt zu bringen. The Indian Room will „indische Luxusküche“ gleich „neu definieren“, wie die Homepage verspricht, der Gast dürfe sich auf eine „Erfahrung für alle Sinne“ freuen, die „jede Erwartung übertrifft“.
Auf jeden Fall übertrifft dieser Duktus in Sachen Vollmundigkeit schon mal das handelsübliche Marketing. Er macht allerdings auch neugierig. Denn wenn das alles auch nur ein klein bisschen zuträfe – was wäre das für ein Gewinn! Schließlich ist die Anzahl guter und authentischer indischer Lokale in Deutschland immer noch überschaubar.
The Indian Room liegt in einem Altneubau an der Belgrader Straße, in einem beidseitig mit weißen Kunststofffenstern voll verglasten Ladenlokal. Das weitläufige, fast überall offen einsehbare Restaurant zu gestalten, muss eine Herausforderung gewesen sein. Holzpaneele, Bilder, warme Polsterfarben und geschickt in Fensternischen platzierte Tische sorgen auch für Gemütlichkeit. Doch Gäste, denen Geborgenheit wichtig ist, sollten hier darauf achten, wo sie platziert werden. Vor allem der Barbereich mit seinem harten Licht und seinem grünen Tresen strahlt unnötige Kühle aus, das wäre leicht zu ändern.













