
Wählt! Mich! Nicht!
Süddeutsche Zeitung
In Unterfranken fleht ein Kandidat kurz vor der Stichwahl die Wählerinnen und Wähler an, ihn gefälligst nicht anzukreuzen auf dem Stimmzettel. Ob’s was bringt?
Dirk Schiefer ist nicht leicht zu erreichen, er ist Lokführer bei der Bahn, sogar Lokbetriebsinspektor, da kann man nicht dauernd ins Telefon quatschen. Und das war ja auch einer der Gründe, warum Schiefer vor der Bürgermeisterwahl im fränkischen Mittelsinn nicht mehr angetreten ist. Wurde eben alles zu viel, Rathauschef ist man in Mittelsinn schließlich im Ehrenamt.
Es gab dann genau einen Nachfolgekandidaten, aufgestellt von einem ganz großen Bündnis, von der CSU, von der SPD und von den Unabhängigen Bürgern: Philipp Kuhn. Weil aber nur ein einziger Kandidat zur Wahl stand, konnten die Mittelsinnerinnen und Mittelsinner einen Alternativkandidaten handschriftlich hinzufügen auf ihrem Stimmzettel, das ist immer so.
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Und was passiert? Am Wahlsonntag bekam der dörfliche Einheitskandidat Kuhn lediglich 49,1 Prozent der Stimmen. Keine Mehrheit also. Eine Mehrheit bekam auch der definitive Nicht-Kandidat Schiefer nicht. Aber immerhin zwei – auf die Zettel gekritzelte – Stimmen mehr als Kuhn.
Schiefer sah sich dann zwei Tage lang mit der Frage konfrontiert, ob er denn nun antrete zur Stichwahl. Zwingen konnte ihn ja niemand. Eine weitere Wahl hätte er Mittelsinn aber auch nicht erspart mit einem starrköpfigen: Nö, bleibt dabei, ich will einfach nicht. Denn eine Mehrheit hatte Kandidat Kuhn ja nicht errungen. Folglich brauchte es eine weitere Wahl, so oder so.













