
Studentin nachts sexuell attackiert: Täter muss nach 15 Jahren ins Gefängnis
Süddeutsche Zeitung
Die junge Frau war auf dem Heimweg nach einem Nebenjob, als der 40-Jährige über sie herfiel. Wie der Fall aus dem Jahr 2011 aufgeklärt werden konnte – und warum die Richterin ein härteres Urteil fällt, als es die Staatsanwältin fordert.
Sie sei „sehr verwundert“ gewesen, sagt Anika L. (Name geändert), als plötzlich nach fast 15 Jahren die Polizei anrief: Man habe einen Tatverdächtigen ausfindig gemacht. Einen Mann, der die damals 21-jährige Studentin nachts auf dem Heimweg überfallartig begrapscht, zu Boden gerissen und versucht haben soll, ihre Hose zu öffnen. Bis heute, erzählt sie, habe sie der Überfall geprägt, immer noch ist die Vorsicht ihr Begleiter.
„Sie haben mit dieser Tat auch das Sicherheitsgefühl anderer Frauen in dieser Stadt beeinträchtigt“, hält auch die Amtsrichterin dem Angeklagten Almiro D. vor – und spricht ein krachendes Urteil: Wegen sexueller Nötigung verurteilt sie den 40-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten.
Almiro D. wird mit Handfessel aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Dort sitzt er nicht nur wegen der Tat, die ihm in München vorgeworfen wird. Auch das Landgericht Erfurt kennt den Mann, unter anderem wegen Körperverletzung. Nachdem man Almiro D. in Weimar wegen eines anderen Delikts eine Speichelprobe abgenommen hatte, „sind ein paar Fälle aufgegangen“, wie es ein Kriminalbeamter nennt. Fälle, in denen zwar eine DNA-Spur im System gespeichert wurde, die man aber nicht zuordnen konnte.
Doch zurück nach München. Anika L. war zur Tatzeit im November 2011 Studentin in Freising, wohnte in München und jobbte abends in einer Kneipe, um sich das Studium zu finanzieren. An jenem 28. November 2011 nahm sie gegen 1.45 Uhr den Bus der Nachtlinie zu ihrer Wohnung in Sendling. Kurz vor der Kreuzung zum Mittleren Ring, auf Höhe des Heckenstallertunnels, stieg ein Mann aus. „Er schaute durch das Fenster in den Bus, es gab einen Blickwechsel.“ Der blieb der jungen Frau im Gedächtnis. Der Bus querte den Ring und hielt auf der anderen Seite wieder an, Anika L. stieg aus.
Wenig später hörte sie, wie jemand hinter ihr angerannt kam. Ein Mann umklammerte sie von hinten so fest, dass sie ihre Arme nicht mehr bewegen konnte. „Es kam zum Gerangel, ich fiel hin, er lag auf mir drauf“, erzählt sie vor Gericht. Sie habe auf seinen Kopf eingeschlagen, „aber er trug eine Mütze und eine Kapuze, das half nichts“. Der Mann begrapschte sie, versuchte ein paar Mal, den Gürtel ihrer Hose zu öffnen. Doch die junge Frau konnte ein Bein „freibekommen“ und trat damit so lange in den Unterleib des Angreifers, bis dieser aufhörte und sie weglaufen konnte.













