
Warum wird der US-Sport auf der Weltbühne eigentlich nicht sanktioniert?
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Nach Donald Trumps Angriff auf den Iran: Warum wird der US-Sport eigentlich nicht von der Weltbühne verbannt?
Der russische Sport wird infolge von Staatsdoping und Wladimir Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine für mehr als ein Jahrzehnt von der Weltbühne verbannt und kehrt erst jetzt bei den Paralympics zurück. Mit offenen Armen werden die Athleten von ihren westlichen Kontrahenten allerdings nicht empfangen. Noch während der olympische Frieden gilt, führen derweil die USA Krieg gegen den Iran. Aber ähnliche sportliche Sanktionen wie gegen Russland sind nicht zu befürchten. Warum eigentlich nicht? Darüber und welche Folgen die internationalen Turbulenzen für den Weltsport haben, hat Jürgen Mittag von der Sporthochschule Köln mit ntv.de gesprochen.
ntv.de: Herr Mittag, über die Rückkehr des russischen Sports auf die Weltbühne bei den Paralympics trotz des anhaltenden Kriegs in der Ukraine gibt es in der westlichen Welt große Aufregung. Parallel dazu greift Donald Trump mit seinen USA und Israel den Iran an, über Sanktionen für den US-Sport wird allerdings, wenn überhaupt, kaum wahrnehmbar diskutiert. Eine kurze Debatte flammte kurz vor den Olympischen Spielen auf, als die US-Armee den venezolanischen Staatschef Nicolás Maduro völkerrechtswidrig entführte. Danach wurde es schnell leise. Warum eigentlich?
Jürgen Mittag: Dafür müssen wir uns zunächst die Rahmenbedingungen des internationalen Rechts beziehungsweise des Völkerrechts anschauen. In der UN-Charta sind zwei Gründe aufgeführt, die einen militärischen Einsatz legitimieren: Selbstverteidigung oder ein entsprechendes UN-Mandat. Letzteres liegt nicht vor. Deswegen versuchen die USA, den Aspekt der Selbstverteidigung, den Aspekt der präventiven Sicherheit, einzubringen. Das ist aber umstritten und wird international sehr kontrovers diskutiert. In dieser Situation kommt nun das zum Tragen, was schon 1999 in Serbien und dem Kosovo der Fall war. Die Nato-Intervention geschah ohne ausdrückliches UN-Mandat, sie wurde als rechtlich problematisch gesehen, aber letztendlich als humanitäre Intervention gerechtfertigt. Deswegen wird auch jetzt die Formel des völkerrechtswidrigen, aber politisch legitimen Einsatzes herangezogen. Mit dieser Formel lässt sich dann auch vieles im internationalen Sport erklären.
Aber fehlt da nicht der rote Faden in der Beurteilung der Handlungen?
In der Sportpolitik sind wie in der Politik grundsätzlich auch Machtaspekte zu berücksichtigen. Und gerade große Staaten, die zudem an der Spitze von Allianzen stehen, Stichwort Nato, haben eine andere Relevanz mit Blick auf Sanktionen als kleinere Staaten. Das gilt für die USA im Besonderen. In globaler Dimension sind sie die militärische Supermacht. Infolgedessen werden sie eben nicht in der gleichen Form politisch attackiert oder infrage gestellt wie ein Land wie Russland. Das zwar auch als militärische Großmacht agiert, aber unter anderen Vorzeichen und mit anderen Potenzialen. Die Rahmenbedingungen des internationalen Systems spiegeln sich sehr stark im internationalen Sport wider und führen auch zu vergleichbaren Strukturen. Dort, wo die USA international nur begrenzt in Haftung genommen werden, erfolgt das in gleicher Form im Sport. In eben nur begrenzter Form. Und nicht in der Form, in der das für Russland gelten würde.

Aktuell scheint es kaum vorstellbar, dass Iran trotz der sportlichen Qualifikation für die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 teilnimmt. Das Turnier in den USA, Kanada und Mexiko beginnt in weniger als 100 Tagen. FIFA-Präsident Gianni Infantino aber beschwichtigt nach einem Treffen mit US-Präsident Trump.

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada wirft längst ihre Schatten voraus. Besonders die breitbeinige Politik der US-Regierung um Präsident Donald Trump. Diese übt auch Einfluss auf den Sport aus. Das zeigt sich jetzt bei einem Vorfall vor einem Spiel in der nordamerikanischen Champions League.











