Tochter jahrelang eingesperrt: Mutter vor Gericht
ZDF
Eine Mutter ist angeklagt, ihre zwölfjährige Tochter fast ihr ganzes Leben lang völlig isoliert zu haben. Der Prozess in Siegen startet holprig.
Keine Freunde, keine Kita: Eine Mutter ist angeklagt, ihre kleine Tochter jahrelang daheim völlig isoliert zu haben - wohl mit Hilfe der Großeltern. Der Prozess startet holprig. Der Prozess am Landgericht Siegen (Nordrhein-Westfalen) beginnt mit einer Überraschung. Und endet damit an diesem Tag auch schon nach einer halben Stunde. Der Großvater des Mädchens, angeklagt wegen Beihilfe, ist nicht vor Gericht erschienen. Der 83-Jährige war nach Angaben eines Anwalts offenbar im Krankenhaus. Da kein ärztliches Attest vorliege, fehle er "unentschuldigt", so sagt es die Richterin Sabine Metz-Horst deutlich entnervt. Und damit endet dieser erste Prozesstag auch schon. Das Verlesen der Anklageschrift entfällt. Erschienen sind nur die angeklagte Mutter des Mädchens und die Großmutter. Beide möchten nicht gefilmt werden und halten sich Aktenordner vor das Gesicht. Der Fall hatte 2022 nicht nur im Sauerland für Aufregung gesorgt: Die Mutter, eine 49-jährige Frau aus Attendorn, hatte ihre Tochter seit 2015 im eigenen Haus total von der Außenwelt abgeschottet. Das Kind hatte keine Freunde, besuchte die Schule nicht und durfte das Gelände nicht verlassen. Offenbar, so die Vermutung der Staatsanwaltschaft, wollte die Mutter das Kind für sich haben und vom Vater fernhalten. Die Mutter hatte sich offiziell aus Deutschland abgemeldet und sei, so hatte sie den Behörden mitgeteilt, nach Italien gezogen. Die Familie hat italienische Wurzeln. Die Großeltern sollen diese Tat gedeckt haben. Im September 2022 wurde das Kind von der Polizei aus seinem Versteck befreit. Zeugen hatten das Jugendamt schon 2020 anonym auf das Mädchen hingewiesen. Erst im September 2022 kam es dann zu einer Hausdurchsuchung. Das Mädchen war damals allgemein in gutem körperlichen Zustand, hatte aber zum Beispiel Probleme beim Treppensteigen. Inzwischen lebt es in einer Pflegefamilie, hat aber wohl auch Kontakt zur leiblichen Mutter, so deren Anwalt Peter Endemann. Offenbar hat das Kind immer noch erhebliche Entwicklungsrückstände sowohl körperlich als auch psycho-sozial, sagt die Sprecherin des Landgerichts Siegen Franziska Heerwig.













