
Jetzt bekommen die VW-Beschäftigten ihre Prämie: 1250 Euro im Mai
Süddeutsche Zeitung
Der Autokonzern hatte zuletzt sechs Milliarden Euro mehr in der Kasse gefunden. Davon sollten die Beschäftigten profitieren, forderte Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo – nun erfolgreich.
Eigentlich sollten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei VW – anders als sonst – keinen Bonus im Mai bekommen. So war es im Dezember 2024 vereinbart worden. Nun dürfen sich rund 100 000 Tarif-Beschäftigte doch freuen: 1250 Euro brutto bekommen sie mit ihrem Mai-Entgelt ausgezahlt, und zwar in Form einer sogenannten „Anerkennungsprämie“. Das haben der VW-Betriebsrat und das Unternehmen am Donnerstagmorgen verkündet. Profitieren sollen die Tarifbeschäftigten an den sechs westdeutschen Werken sowie in den drei sächsischen Werken. Das VW-Werk in Osnabrück, das nicht zum Haustarif gehört, geht bei der Prämie leer aus. Dort gibt es aber eine Jubiläums-Sonderzahlung von ebenfalls 1250 Euro.
Hintergrund für die Mai-Prämie ist ein Streit um sechs Milliarden Euro. Diese waren Anfang des Jahres – vereinfacht gesagt – plötzlich mehr in der VW-Kasse. Das war ziemlich genau sechs Milliarden Euro höher als erwartet, zeigte der sogenannte Netto-Cashflow, eine Kennzahl in der Bilanz, die angibt, wie viel Geld am Ende wirklich mehr (oder weniger) in der Kasse ist. Doch diese eigentlich positive Nachricht löste eine große Welle der Empörung aus: Die VW-Vorstandsmitglieder hätten „Finanzkosmetik“ betrieben und Investitionen verschoben, um sich selbst die Taschen vollzupacken, monierten Kritiker. Prompt forderte Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo, die Beschäftigten sollten auch profitieren – in Form einer Anerkennungsprämie. Genau diese hat sie nun durchgesetzt.
Der „hohe Einsatz“ der gesamten Belegschaft habe zu dem „guten Ergebnis“ geführt, so Daniela Cavallo in einer Mitteilung an die Belegschaft, die der SZ vorliegt. „Es ist nur folgerichtig und fair, dass nun alle Beschäftigtengruppen profitieren.“ Die Mai-Zahlung hat bei VW lange Tradition: Im VW-Haustarif gibt es, anders als beim Metall-Flächentarif, nämlich kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Stattdessen bekommen die Beschäftigten einen „Tarif-Bonus“. Dieser besteht aus mindestens 1879,50 Euro, die schon im November ausgezahlt werden. Im Mai kommt dann – normalerweise – der zweite Teil der Bonus-Zahlung. Die Summe hängt von den Gewinnen bei VW ab. Genau diese Mai-Zahlung entfällt laut der Tarif-Einigung dieses und nächstes Jahr. Auch der Vorstand und das Management verzichtet in diesen beiden Jahren auf elf beziehungsweise acht Prozent.
Für den Autobauer sind es durchaus schwierige Zeiten. Der Gewinn des Volkswagen-Konzerns ist zuletzt um fast die Hälfte eingebrochen. Bis Ende des Jahrzehnts sollen 35 000 Mitarbeiter den Konzern verlassen, allerdings sozialverträglich, etwa über vorzeitige Renteneintritte oder freiwillige Abfindungen. Thomas Schäfer, Arbeitsdirektor und Chef der Marke Volkswagen, rattert in einer schriftlichen Mitteilung zunächst einmal lang und breit alle Probleme runter, in denen VW steckt: die Zölle in den USA, mehr als 150 Wettbewerber in China, ein schrumpfender Markt und „eine zu hohe Kostenbasis“ in Europa. Zwar gehe man „aktuell durch eine schwierige Zeit der Restrukturierung“, eine Zeit, die mit vielen Unsicherheiten verbunden sei. „Und wir sind noch nicht am Ziel“, so Schäfer. Dann aber lenkt er ein, dass die Kolleginnen und Kollegen jeden Tag mit „großem Fachwissen, viel Leidenschaft und Teamgeist an einer erfolgreichen Zukunft von Volkswagen“ arbeiten würden. Deswegen, so darf man die Mitteilung interpretieren, haben die Beschäftigten die 1250 Euro auch in schwierigen Zeiten verdient.
Aus dem Umfeld des Betriebsrats heißt es, der Konzernvorstand habe ursprünglich höchstens 500 Euro zulassen wollen. Cavallo hingegen habe 1500 Euro gefordert. Nach einigen Runden habe das Unternehmen 1000 Euro als „wirklich allerletztes Angebot“ angepriesen, doch Cavallo habe auf 1250 Euro beharrt – und war offensichtlich erfolgreich damit. Das Unternehmen wollte sich dazu auf Anfrage nicht äußern: „Das ist reine Spekulation“, sagte ein Sprecher lediglich. So oder so steht für Daniela Cavallo fest: Für sie dürfte es nur wenige Tage nach den Betriebsratswahlen ein guter Start in die zweite Amtszeit sein.













