
Was das Angebot der Unicredit für die Commerzbank bedeutet
Süddeutsche Zeitung
Unicredit-Chef Andrea Orcel will die Frankfurter und die Bundesregierung an den Verhandlungstisch zwingen. Trotz mächtiger Gegner könnte sein Plan aufgehen.
Die Liste der deutschen Politiker, die sich Andrea Orcel in den vergangenen anderthalb Jahren zu erbitterten Gegnern gemacht hat, ist ebenso lang wie prominent bestückt. Die Namen Friedrich Merz und Olaf Scholz etwa finden sich darauf, genau wie die der Kollegen Christian Lindner, Lars Klingbeil und Boris Rhein. Und doch gibt der Chef des italienischen Finanzkonzerns Unicredit den Versuch nicht auf, die Frankfurter Commerzbank zu übernehmen. Im Gegenteil: Nachdem alles Antichambrieren nicht gefruchtet hat, will Orcel Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp und die widerspenstigen Berliner Polit-Größen nun mit einem sogenannten freiwilligen Übernahmeangebot gewissermaßen an den Verhandlungstisch zwingen.
Dabei war Bundeskanzler Friedrich Merz der zweitgrößten deutschen Privatbank im vergangenen Jahr sogar mit einem Schreiben an den Betriebsratsvorsitzenden beigesprungen: Er nehme die Sorgen um die Zukunft der Commerzbank ebenso ernst wie jene um den Finanzstandort Deutschland, betonte er. Die Commerzbank sei nicht nur eine der systemrelevanten Banken Europas, sondern auch eine führende Adresse bei der Finanzierung des deutschen Mittelstands.
An dieser Haltung hat sich durch Orcels jüngsten Vorstoß nichts geändert, wie Vertreter von Kanzleramt und Finanzministerium am Montag ausdrücklich bestätigten. „Der Bund unterstützt die Strategie der Eigenständigkeit der Commerzbank“, sagte ein Sprecher Klingbeils. „Eine feindliche Übernahme“, so der Vertraute des Ministers weiter, wäre „nicht akzeptabel“.
Im September 2024, als der Bund begann, Teile seiner Beteiligung zu veräußern, war Unicredit erstmals bei der Commerzbank eingestiegen. Seitdem hat Orcel seinen Anteil schrittweise auf zuletzt rund 29 Prozent ausgebaut. Es ist ein feindlicher Übernahmeversuch, wie es ihn selten gibt in der Bankenbranche.
Der Unicredit-Chef hatte zwar wiederholt versichert, nicht gegen den Willen der Regierung vorgehen zu wollen. Er lässt sich jedoch von dem Widerstand ganz offensichtlich auch nicht abschrecken und will alle Beteiligten nun mit Macht zu einer Aussprache zwingen. „Unsere Botschaft an die Commerzbank lautet: Es ist an der Zeit zu reden“, sagte Orcel am Montag in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Er strebe weiterhin einen „konstruktiven Dialog“ mit anderen Commerzbank-Aktionären an, womit vor allem die Bundesregierung gemeint sein dürfte, die noch rund zwölf Prozent der Anteile hält.













