
US-Notenbank Fed hält Leitzins trotz steigender Ölpreise stabil
Süddeutsche Zeitung
Der Krieg im Nahen Osten treibt die Ölpreise in die Höhe und löst auch in den USA Inflationssorgen aus. Die US-Notenbank reagiert nicht auf den Preisdruck, Fed-Chef Powell räumt jedoch ein, keine Ahnung zu haben, wie schlimm die Krise noch werde.
Die Amerikaner haben den steigenden Ölpreis mehr als zwei Wochen lang fast schon frivol gelassen hingekommen. Aber nun kostet eine Gallone Benzin 3,84 Dollar. Ende Februar waren es noch knapp drei Dollar gewesen. Einen solchen Preissprung kann niemand mehr ignorieren. Ähnlich wie in Deutschland wächst deshalb in den USA die Inflationsangst mit jedem Tag, den der Krieg im Nahen Osten und die Blockade der Straße von Hormus andauert. Und auch auf die US-Regierung nimmt der Druck zu, etwas dagegen zu unternehmen.
In dieser schwierigen Lage tagte am Mittwoch das Direktorium der US-Notenbank Federal Reserve. Mit dem Leitzins verfügen die Fed-Gouverneure über ein Instrument, das die Inflation eindämmen könnte. Trotzdem entschieden die Notenbanker, erst einmal nichts zu unternehmen. Sie beließen den Leitzins unverändert bei 3,5 bis 3,75 Prozent. Die Fed begründete das mit der Inflation, die über der Zielmarke von zwei Prozent liegt und dem auf der anderen Seite schwachen Arbeitsmarkt. Daneben gebe es eine „erhöhte Unsicherheit“ darüber, wie sich die Entwicklungen im Nahen Osten auf die US-Wirtschaft auswirken werden, schrieben die Notenbanker.
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Diese Entscheidung war erwartet worden. Nachdem die Fed Ende vergangenen Jahres dreimal die Zinsen gesenkt hatte, legt sie aktuell eine Pause ein. Eine weitere Zinssenkung hatten die Notenbanker erst für die kommenden Monate in Aussicht gestellt. Es schien trotzdem nur eine Frage der Zeit zu sein, bis sich die US-Notenbank endgültig von ihrer restriktiven Geldpolitik verabschieden würde.
Der Krieg in Nahost und seine Auswirkungen auf den Ölpreis bringen die Notenbanker nun jedoch in ein Dilemma. Die steigenden Benzinpreise könnten schlimmstenfalls zu einem Inflationsschock führen, ähnlich wie 2022 nach dem russischen Überfall auf die Ukraine. Damals hatten die Notenbanker und die Europäische Zentralbank ihre Leitzinsen nach längerem Zögern erhöht und die Inflation gebremst. Sollten die Energiepreise weiter steigen, könnte die Fed auch dieses Mal zum Handeln gezwungen sein.













