
Commerzbank zeigt sich gesprächsbereit
Süddeutsche Zeitung
Nach dem Übernahmeangebot der italienischen Unicredit fordert die Commerzbank konkrete Vorschläge für Verhandlungen. Unicredit betont den Dialog als Schlüssel zur Zusammenarbeit.
Einen Tag nach dem angekündigten Übernahmeinteresse der italienischen Unicredit zeigt sich Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp zu Gesprächen mit dem Institut bereit – sofern ein konkreter Vorschlag auf den Tisch kommt. „Für Gespräche braucht es keine Übernahme“, sagte Orlopp im Interview mit Bloomberg TV. „Wir wären absolut bereit, uns zusammenzusetzen und einen Vorschlag von Unicredit zu erörtern.“ Die Commerzbank hatte in der Vergangenheit Gespräche mit ihrem Großaktionär Unicredit über eine mögliche Fusion stets mit dem Hinweis abgelehnt, es liege bislang kein konkretes Übernahmeangebot vor.
Die Commerzbank sei seit Monaten dazu bereit, einen Vorschlag zu prüfen, sobald dieser vorliege, sagte Orlopp. „Dafür bräuchten wir aber etwas in der Hand.“ Dieser Plan müsse Angaben zu Synergien, Restrukturierungskosten, dem Zeitplan und dem gebotenen Preis für die Aktionäre enthalten. Zudem müssten Fragen der Unternehmensführung und der künftigen Struktur geklärt werden. Zugleich bezeichnete sie das Übernahmeangebot als „technischen Schachzug“. Das Vorgehen sei nicht vorab abgestimmt gewesen, sagte Orlopp. Das Angebot sei angesichts der Kursziele der Bank sehr niedrig. Zudem passe die Botschaft nicht zusammen, wonach Unicredit zwar den Anteil von 30 Prozent überschreiten, aber keine Kontrolle erlangen wolle. Unicredit hatte am Montag ein freiwilliges Übernahmeangebot angekündigt, dabei aber nur eine niedrige Prämie auf den letzten Schlusskurs in Aussicht gestellt.
Ein Unicredit-Sprecher betonte, man sei bereit für Gespräche: „Wir würden es sehr begrüßen, Gespräche mit der Commerzbank aufzunehmen, da wir seit Langem der Ansicht sind, dass der beste Weg nach vorn in einem im Dialog erzielten Konsens liegt.“ Unicredit bemühe sich seit mehr als einem Jahr um einen solchen Austausch. Man sei überzeugt, dass sich durch Zusammenarbeit ein Plan entwickeln lasse, der im besten Interesse aller Beteiligten stehe. „Sollte das Management der Commerzbank nun offen für solche Gespräche sein, begrüßen wir das ausdrücklich und sind jederzeit bereit, uns mit ihnen an einen Tisch zu setzen.“
In einer Telefonkonferenz mit Analysten hatte Unicredit-Chef Andrea Orcel am Montag gesagt, er sei offen, einen Konsens zu schaffen und diesen Dialog anzustoßen. „Es geht also nicht darum, etwas durchzusetzen und am Ende einfach ein Ergebnis zu haben, sondern darum, dass wir uns Zeit nehmen, miteinander zu sprechen, gegenseitiges Verständnis zu entwickeln und eine Lösung zu finden.“ Dem Vernehmen nach fürchtet man bei der Commerzbank, dass Unicredit sie zu Gesprächen drängen könnte, an deren Ende die Frankfurter einem umfassenden Sparprogramm zustimmen müssten. Hintergrund ist, dass die Commerzbank an der Börse derzeit relativ hoch bewertet ist – Kostenvorteile ließen sich für Unicredit daher wohl nur durch erhebliche Einsparungen realisieren.













