
Internationale Energieagentur empfiehlt Tempolimit auf Autobahnen
Süddeutsche Zeitung
Die Organisation rät zu drastischen Schritten, um Öl und Gas zu sparen. Anders seien die Folgen für die Verbraucher nicht in den Griff zu bekommen.
Es war die größte Freigabe von Ölreserven in der Geschichte: 400 Millionen Barrel strategischer Reserven haben die Mitgliedstaaten der Internationalen Energieagentur (IEA) vor knapp zwei Wochen freigegeben. Doch das hatte nicht den erwünschten Effekt, die Preise steigen weiter. Nun versucht es die IEA mit Sitz in Paris mit handfesten Tipps, wie man Öl und Gas sparen kann. Die meisten Empfehlungen beziehen sich auf den Verkehr, auf den 45 Prozent des Ölverbrauchs entfallen. So schlägt die Organisation, der auch Deutschland angehört, ein Tempolimit vor. Die Geschwindigkeit auf Autobahnen solle um mindestens zehn Kilometer pro Stunde reduziert werden. Dies würde den Gesamtölverbrauch für Privatwagen um bis zu zehn Prozent senken.
Weiters wird vorgeschlagen, den Zugang zu Straßen in Großstädten für private Fahrzeuge zu beschränken. Eine solche Regelung könnte bis zu fünf Prozent Reduktion des Konsums bringen, rechnet die IEA vor. So könnten im täglichen Wechsel die Zu- oder Durchfahrt für Autos mit geradem und ungeradem Kennzeichen erlaubt werden. Diese Maßnahme wurde nach dem Ölschock 1973 ergriffen – als Konsequenz damals wurde die IEA gegründet, um die Energieversorgungssicherheit zu gewährleisten und Maßnahmen zu koordinieren.
Die Organisation schlägt außerdem vor, Flugreisen zu vermeiden, „wenn es Alternativen gibt“. Sie geht davon aus, dass sich Geschäftsreisen kurzfristig um 40 Prozent reduzieren lassen, womit der Kerosinbedarf um bis zu 15 Prozent reduziert werden könnte. Generell schlägt die IEA mehr Homeoffice vor, eine effizientere Fahrweise sowie die verstärkte Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln und Carsharing-Angeboten.
Explizit verweist die IEA darauf, dass Regierungen durch regulatorische Maßnahmen und gezielte Anreize Energiesparen fördern könnten. Die Organisation verweist auf das Jahr 2022 nach dem Beginn der russischen Invasion in die Ukraine. Erfahrungen hätten gezeigt, dass gezielte Unterstützungsmechanismen wirksamer seien als breit angelegte Subventionen.
Die Freigabe der 400 Millionen Barrel Ölreserven ist bisher allerdings erst zum Teil erfolgt. Auch das kann erklären, dass eine stark dämpfende Wirkung bislang ausgeblieben ist. Deutschland will 19,5 Millionen Barrel beitragen.













