
Eingesperrt im Flugzeug: Wie Passagiere die Nacht erlebt haben
Süddeutsche Zeitung
Zwei Reisende berichten von der Stimmung in einer Maschine, die wegen des Schnees nicht vom Münchner Airport abheben konnte. Die Polizei hat den Vorfall zur Prüfung an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet.
Als Kilian Kunkel und Jonas Himmler am Sonntagabend thailändischer Zeit in Bangkok landen, haben die beiden jungen Männer eine mehrtägige Odyssee hinter sich, die am Münchner Flughafen ihren Anfang nahm. In jener denkwürdigen Nacht auf vergangenen Freitag, als etwa 600 Menschen am Airport im Erdinger Moos die Nacht in sechs Fliegern verbringen mussten. Kunkel und Himmler saßen in einer Maschine der Air Arabia, die gegen Mitternacht abflugbereit auf dem Vorfeld stand. Doch plötzlich, gegen 1 Uhr nachts kam das Signal: das Flugzeug, das eigentlich Richtung Vereinigte Arabische abheben sollte, darf nicht starten.
An diesem Dienstag melden sich die beiden Münchner per Videocall aus dem Urlaubsparadies Ko Samui, lässig entspannt in Tanktops. Das Chaos, das sie erlebt haben, aber lässt sie noch nicht ganz los. Sie haben es schließlich zweimal durchlebt – einmal in München, und dann noch einmal auf der Arabischen Halbinsel.
Bis knapp vor 4 Uhr in der Nacht saßen Kunkel und Himmler am Freitag in ihrem Flieger am Münchner Flughafen. „Die Stimmung im Flugzeug war erstaunlich ruhig, nicht panisch“, sagt Kunkel. „Aber Informationen an die Passagiere gab es eigentlich kaum. Die Crew hat nur gesagt, sie warte selbst auf Anweisungen.“ Als sie mitten in der Nacht dann doch endlich aus dem Flieger geholt wurden und wieder nach Deutschland einreisten – „wir wurden echt noch mal kontrolliert“, sagt Himmler und lacht –, entschieden die beiden, mit dem Taxi nach Hause zu fahren. Auf eigene Kosten. Am Samstag startete dann mit 19 Stunden Verspätung endlich ihr Flieger.
Ausgestanden aber sind die chaotischen Zustände am Münchner Airport vor allem für die Betreiber noch nicht. Wie das Polizeipräsidium Oberbayern Nord auf SZ-Nachfrage bestätigt, hat die ihm unterstellte Polizeiinspektion Flughafen München einen Bericht zu den Vorfällen in der Nacht auf Freitag erstellt, der an diesem Dienstag der Staatsanwaltschaft Landshut zur Prüfung übergeben worden ist. Dieser Bericht, so teilt das Polizeipräsidium mit, entstand nach Anregung eines wohl unbeteiligten Dritten; Anzeigen von betroffenen Passagieren seien bei der Flughafenpolizei bisher nicht eingegangen.
Diskutiert wird nach den Vorfällen von manchen Beteiligten, ob es sich dabei um Freiheitsberaubung gehandelt haben könnte. Ein Betroffener, der am Donnerstag nach eigenen Angaben ebenfalls mehr als dreieinhalb Stunden in seinem Flieger am Boden festsaß, ehe dieser mit entsprechender Verspätung doch starten konnte, warf diese Frage in einer E-Mail an die SZ auf. Er spricht davon, dass für eine strafbare Freiheitsberaubung „bereits ein für möglich halten und in Kauf nehmen der Einschränkung der Bewegungsfreiheit“ ausreiche.













