Ein Brandbrief des Mittelstands an Kanzler Merz
ZDF
Der Mittelstandsverband übt Kritik an der Wirtschaftspolitik von Kanzler Friedrich Merz. Der Verband fordert die Entlassung von Gitta Connemann.
"Blankes Entsetzen": In einem Brief an Kanzler Friedrich Merz attackiert der Mittelstandsverband dessen Wirtschaftspolitik scharf - und zählt eine Personalie an. Die Post, die das Bundeskanzleramt am Donnerstagabend erreichte, hat es in sich. Ein Schreiben voll gepfefferter Kritik am Hausherrn, an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) - und insbesondere an dessen Wirtschaftspolitik. Absender des Briefs, der ZDFheute exklusiv vorliegt, ist Christoph Ahlhaus. Er ist Vorsitzender des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft und Parteifreund von Merz. Mit viel Hoffnung, so schreibt Ahlhaus in dem Brief, hätten die Unternehmerinnen und Unternehmer in Deutschland auf das Ende der Ampel-Regierung reagiert. Viele hätten Merz im Wahlkampf unterstützt und optimistisch auf die von Merz angekündigte Wirtschaftswende geblickt. In dem Schreiben bezieht sich Ahlhaus, der von August 2010 bis März 2011 für die CDU Erster Bürgermeister von Hamburg war, auf eine aktuelle Umfrage seines Verbandes unter 1.200 mittelständischen Unternehmen. 64 Prozent der befragten Unternehmen glauben demnach nicht mehr daran, dass die angekündigte Wirtschaftswende gelingen werde. 79 Prozent geben an, sie würden nicht einmal mehr ein "engagiertes Bemühen" der Bundesregierung erkennen, für den Mittelstand relevante Probleme anzugehen. Eine solche Enttäuschung, schreibt Ahlhaus an Kanzler Merz, habe man "noch nie gemessen". Die Zahlen seien ein "Alarmsignal", Merz solle sie als "Hilfeschrei" begreifen. Ahlhaus fordert Merz auf, seine Richtlinienkompetenz für dringend notwendige Reformen zu nutzen, denn es sei hinlänglich bekannt, was der Wirtschaftsstandort jetzt brauche. Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) ist eine Lobbyvertretung der mittelständischen Wirtschaft mit Sitz in Berlin. In dem parteipolitisch unabhängigen Verband sind knapp 26.000 Unternehmerinnen und Unternehmer organisiert. Geschäftsführer ist seit 2023 der CDU-Politiker Christoph Ahlhaus. Besondere Kritik bekommt in dem Schreiben schließlich eine Person, die sich in der Bundesregierung eigentlich um die Belange des Mittelstands kümmern soll: die CDU-Politikerin Gitta Connemann, Beauftragte der Bundesregierung für den Mittelstand.













