
"Deutlich weniger Windräder sparen 50 Milliarden Euro, erzeugen aber nicht weniger Strom"
n-tv
Die Nordsee ist das Kraftwerk Europas. Theoretisch. Bisher kocht jeder Anrainer sein eigenes Offshore-Süppchen. Auch Deutschland verzettelt sich und plant zu viele Windräder. Im Interview erklärt der zuständige Netzbetreiber, wie Deutschland mit weniger Anlagen genauso viel Strom erzeugen kann.
Die Nordsee ist das Kraftwerk Europas. Theoretisch. Sie hat ein hervorragendes Windangebot, einen guten Baugrund und ist relativ flach. Bisher kocht jeder Anrainer jedoch sein eigenes Offshore-Süppchen und verzettelt sich. Deutschland plant etwa zu viele Windräder. Sie nehmen einander den Wind weg. "Das ist ineffizient", sagt Tim Meyerjürgens. Der Ingenieur leitet Deutschlands größten Übertragungsnetzbetreiber Tennet Germany und ist somit für den Anschluss der Nordsee-Windparks verantwortlich. Meyerjürgens überbringt im "Klima-Labor von ntv" eine überraschende Botschaft: Weniger Turbinen erzeugen nicht weniger Strom. Werden die Windparks europäisch vernetzt, können sie dem Tennet-Chef zufolge sogar rund um die Uhr laufen: "Wir beuten eine Sturmfront erst in Großbritannien aus und übertragen den Strom nach Deutschland. Tags darauf machen wir es umgekehrt."
ntv.de: Wenn Sie der Energiewende eine Schulnote geben müssten, welche wäre es?
Tim Meyerjürgens: Wenn wir den Startpunkt berücksichtigen, durchaus eine Drei. Wir haben nicht alles erreicht, was wir erreichen wollten, aber trotzdem eine ganze Menge. Und wenn ich zurückschaue: Als ich angefangen habe, als Ingenieur im Netzbereich zu arbeiten, haben mir die erfahrenen Kollegen gesagt, dass wir technisch maximal zwei Prozent Erneuerbare ins Stromnetz integrieren können.
Wann war das?
Mitte der 90er Jahre. Inzwischen sehen wir im deutschen Strommix knapp 60 Prozent Erneuerbare. In unserem Netzgebiet sind es sogar 85 Prozent.













